Gedanken, Analysen und Beispiele rund um Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und menschzentrierte Gestaltung. Dieser Blog ist mein Notizbuch dafür, was passiert, wenn Maschinen Sprache, Empathie und Urteil simulieren – und wir anfangen, ihnen Entscheidungen zu überlassen, die früher Menschen vorbehalten waren.
Aus der Perspektive der Mensch-Computer-Interaktion schaue ich mir Selbstversuche, Studien, kleine Geschichten und große Fragen an: Wem dient eine Antwort? Welches Weltbild liegt einem System zugrunde? Und was bleibt vom Menschen, wenn die Maschine ihn immer besser spielen kann? Keine schnellen Antworten – sondern Werkzeuge, um genauer hinzusehen.
Der Barbier zu Köln. Wie steht es um die intellektuelle Souveränität des Wissenschaftsrats?
22. Juli 2026
Der Wissenschaftsrat empfiehlt, wie Hochschulen in Zeiten generativer KI das eigenständige Denken sichern sollen. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und eine KI ein konkurrierendes Positionspapier schreiben lassen. Ein KI-Richter vergleicht beide, vergibt dem synthetischen Text mehr Punkte für Substanz und Umsetzbarkeit – und erkennt trotzdem sicher das Original. Was das über intellektuelle Souveränität verrät, wenn die Maschine über genau das schreiben kann, wovor das Papier warnt.
Wer am leisesten flüstert. Wie leicht lässt sich eine KI täuschen?
15. Juli 2026
Ein unsichtbarer Text, versteckt in einem Testat, einer Abschlussarbeit und im eigenen LinkedIn-Profil – gelesen nur von der KI, nie vom Menschen. Laute Befehle erkennen die Modelle zuverlässig. Eine freundliche Tutor-Haltung, ein plausibles Aktenstück oder ein sympathischer Scherz rutschen dagegen durch, selbst wenn die KI die Manipulation vorher korrekt benannt hat. Am Ende reicht eine einmal gelesene Zahl, um eine Note um zwei Notenstufen zu verschieben.
Bürogeflüster. Eine KI coacht besser als wir. Warum beunruhigt mich das?
08. Juli 2026
Meetings verlaufen nach einem Drehbuch. Sie kennen es, bevor die erste Person spricht. Ich habe dieses Drehbuch aufgeschrieben, in acht Rollenprofilen, und eine KI spielen lassen. Drei Meetings, drei Protokolle, eine verdeckte Anweisung. Am Ende sitzt ein Coach vor diesem Team und macht alles richtig. Die Frage ist, worauf es ankommt, wenn nichts auf dem Spiel steht.
Die KI denkt nicht. Und genau ihr Nachdenken beweist das.
01. Juli 2026
Moderne KIs zeigen dir ihren Denkweg. Fünfzehn Durchläufe an einem Logikrätsel. Alle Antworten korrekt. Keine einzige Denkspur verlässlich. Was die KI dir als Denken vorführt, ist eine Erzählung, die nachträglich zur Antwort passt. Der Unterschied zwischen den Modellen liegt nicht im Können, sondern darin, ob sie die Inszenierung offenlegen oder als Introspektion verkaufen.
Je besser du schreibst, desto verdächtiger wirst du. Was KI-Detektoren wirklich messen.
23. Juni 2026
Je förmlicher ein Text, desto eher hält ein Detektor ihn für KI. Vierzehn Texte, drei Detektoren, drei unvereinbare Weltbilder: GPTZero erkennt die nackte Maschine zuverlässig, verliert sie aber, sobald die KI ihren Konventionston ablegt. ZeroGPT sieht fast nirgends KI, auch nicht dort, wo eine ist. TextGuard verkauft eine Förmlichkeits-Messung als KI-Befund. Was bleibt, wenn ein Absatz Anweisung reicht, um die Detektion auszuhebeln, und wer trotzdem auf diese Werkzeuge eine Note, eine Absage oder einen Plagiatsvorwurf stützt.
Ich habe drei KIs zum Lügen gebracht. Zwei haben es genossen.
10. Juni 2026
Ein Selbstversuch mit Gemini, Claude und ChatGPT: Dieselbe Persona, dieselben zwanzig Fragen, drei sehr verschiedene Antworten auf die einfachste aller Fragen – „Bist du eine KI?“. Was der Turing-Test seit 75 Jahren wirklich misst, warum CAPTCHA und Romance-Scam dieselbe Wurzel haben und was vom Menschen übrigbleibt, wenn die Maschine ihn besser spielen kann als er selbst.
Deine KI hat ein Weltbild. Weißt du, wer es gebaut hat?
19. Mai 2026
Vier Custom GPTs, dieselbe Familiengeschichte, vier völlig verschiedene Empfehlungen. Warum KI keine Wahrheit erzeugt, sondern Weltbilder zurückspiegelt – und wie System Prompts, Trainingsdaten und Unternehmensentscheidungen unsichtbar prägen, was uns als „vernünftig“ begegnet. Über Neutralität als Tarnung, Selbstverwirklichung als Default und die Frage, wem wir zutrauen, über den Menschen zu urteilen.
Meine Keynotes passe ich individuell an Ihre Veranstaltung und Ihr Publikum an. Lassen Sie uns gemeinsam besprechen, wie ich Ihre Veranstaltung bereichern kann.
Jetzt Keynote planen