Gedanken, Analysen und Beispiele rund um Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und menschzentrierte Gestaltung. Dieser Blog ist mein Notizbuch dafür, was passiert, wenn Maschinen Sprache, Empathie und Urteil simulieren – und wir anfangen, ihnen Entscheidungen zu überlassen, die früher Menschen vorbehalten waren.
Aus der Perspektive der Mensch-Computer-Interaktion schaue ich mir Selbstversuche, Studien, kleine Geschichten und große Fragen an: Wem dient eine Antwort? Welches Weltbild liegt einem System zugrunde? Und was bleibt vom Menschen, wenn die Maschine ihn immer besser spielen kann? Keine schnellen Antworten – sondern Werkzeuge, um genauer hinzusehen.
Die KI weiß mehr über mich als ich selbst.
12. August 2026
Eineinhalb Stunden Spaziergang, drei Sprachmemos, und mittendrin eine Lücke: Ich weiß genau, welches Beispiel ich für den Vortrag brauche, aber ich habe es nicht. Im Entwurf, der zurückkommt, steht es. Espresso, mein eigenes Morgenritual, seit Jahren. In der Memo kommt kein Kaffee vor – erzählt habe ich es ihr irgendwann vorher, wann, weiß ich nicht mehr. Sie schon. Wir diskutieren ausführlich, was eine KI kann, und selten, was sie über uns hat. Meine Regel lautet, dass sie meine Gedanken in Worte kleiden darf, aber keine unterschieben. Für den Fall, dass mir jemand mein eigenes Wissen zurückreicht, hat sie keine Kategorie: Einen fremden Gedanken erkenne ich beim Gegenlesen sofort, einen eigenen, den ich nicht präsent hatte, gar nicht.
Human-AI Patterns. Der Weg ist das Ziel?
05. August 2026
Vier Wege, dieselbe Aufgabe mit einer KI zu bearbeiten: ein einziger Auftrag, elf Nachrichten an eine Gummiente, ein Interviewer, der nur meine eigenen Gedanken aufschreibt, und ein Autopilot, der die Führung übernimmt. Ein blind urteilendes Modell kürt ausgerechnet den bequemsten Durchgang zum Sieger und erkennt den einzigen handgeschriebenen Text sofort – nicht an der Sprache, sondern an der Angst darin. Warum dieses Ranking feststand, bevor der erste Durchgang lief, und was die Frage ist, die vorher zählt: Soll sich hinterher der Text verändert haben oder du?
Die Geburtsurkunde der KI ist eine gelungene Lüge.
29. Juli 2026
Auf einer Bühne in Augsburg habe ich einen Saal begrüßt – zwei der vier Passagen kamen vom Band, meine Stimme, geklont aus ein paar Minuten Audiomaterial. Der Saal hat es gemerkt, knapp. Danach hat dieselbe Technik den Kongress, auf dem wir saßen, in eine Geheimdienstübung verwandelt: korrekte Namen, korrekte Uhrzeiten, korrekte Ticketpreise, mit einer untergeschobenen Deutung. Warum ein Sprachmodell dabei nicht lügt, sondern nur Plausibilität produziert, warum die Antwort nicht Detektion heißt, sondern Herkunft, und warum die Grenze zwischen Mensch und Maschine kein Zustand ist, sondern ein Zeitfenster.
Der Barbier zu Köln. Wie steht es um die intellektuelle Souveränität des Wissenschaftsrats?
22. Juli 2026
Der Wissenschaftsrat empfiehlt, wie Hochschulen in Zeiten generativer KI das eigenständige Denken sichern sollen. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und eine KI ein konkurrierendes Positionspapier schreiben lassen. Ein KI-Richter vergleicht beide, vergibt dem synthetischen Text mehr Punkte für Substanz und Umsetzbarkeit – und erkennt trotzdem sicher das Original. Was das über intellektuelle Souveränität verrät, wenn die Maschine über genau das schreiben kann, wovor das Papier warnt.
Wer am leisesten flüstert. Wie leicht lässt sich eine KI täuschen?
15. Juli 2026
Ein unsichtbarer Text, versteckt in einem Testat, einer Abschlussarbeit und im eigenen LinkedIn-Profil – gelesen nur von der KI, nie vom Menschen. Laute Befehle erkennen die Modelle zuverlässig. Eine freundliche Tutor-Haltung, ein plausibles Aktenstück oder ein sympathischer Scherz rutschen dagegen durch, selbst wenn die KI die Manipulation vorher korrekt benannt hat. Am Ende reicht eine einmal gelesene Zahl, um eine Note um zwei Notenstufen zu verschieben.
Bürogeflüster. Eine KI coacht besser als wir. Warum beunruhigt mich das?
08. Juli 2026
Meetings verlaufen nach einem Drehbuch. Sie kennen es, bevor die erste Person spricht. Ich habe dieses Drehbuch aufgeschrieben, in acht Rollenprofilen, und eine KI spielen lassen. Drei Meetings, drei Protokolle, eine verdeckte Anweisung. Am Ende sitzt ein Coach vor diesem Team und macht alles richtig. Die Frage ist, worauf es ankommt, wenn nichts auf dem Spiel steht.
Die KI denkt nicht. Und genau ihr Nachdenken beweist das.
01. Juli 2026
Moderne KIs zeigen dir ihren Denkweg. Fünfzehn Durchläufe an einem Logikrätsel. Alle Antworten korrekt. Keine einzige Denkspur verlässlich. Was die KI dir als Denken vorführt, ist eine Erzählung, die nachträglich zur Antwort passt. Der Unterschied zwischen den Modellen liegt nicht im Können, sondern darin, ob sie die Inszenierung offenlegen oder als Introspektion verkaufen.
Je besser du schreibst, desto verdächtiger wirst du. Was KI-Detektoren wirklich messen.
23. Juni 2026
Je förmlicher ein Text, desto eher hält ein Detektor ihn für KI. Vierzehn Texte, drei Detektoren, drei unvereinbare Weltbilder: GPTZero erkennt die nackte Maschine zuverlässig, verliert sie aber, sobald die KI ihren Konventionston ablegt. ZeroGPT sieht fast nirgends KI, auch nicht dort, wo eine ist. TextGuard verkauft eine Förmlichkeits-Messung als KI-Befund. Was bleibt, wenn ein Absatz Anweisung reicht, um die Detektion auszuhebeln, und wer trotzdem auf diese Werkzeuge eine Note, eine Absage oder einen Plagiatsvorwurf stützt.
Ich habe drei KIs zum Lügen gebracht. Zwei haben es genossen.
10. Juni 2026
Ein Selbstversuch mit Gemini, Claude und ChatGPT: Dieselbe Persona, dieselben zwanzig Fragen, drei sehr verschiedene Antworten auf die einfachste aller Fragen – „Bist du eine KI?“. Was der Turing-Test seit 75 Jahren wirklich misst, warum CAPTCHA und Romance-Scam dieselbe Wurzel haben und was vom Menschen übrigbleibt, wenn die Maschine ihn besser spielen kann als er selbst.
Deine KI hat ein Weltbild. Weißt du, wer es gebaut hat?
19. Mai 2026
Vier Custom GPTs, dieselbe Familiengeschichte, vier völlig verschiedene Empfehlungen. Warum KI keine Wahrheit erzeugt, sondern Weltbilder zurückspiegelt – und wie System Prompts, Trainingsdaten und Unternehmensentscheidungen unsichtbar prägen, was uns als „vernünftig“ begegnet. Über Neutralität als Tarnung, Selbstverwirklichung als Default und die Frage, wem wir zutrauen, über den Menschen zu urteilen.
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