Prof. Dr. Simon Nestler

Der Barbier zu Köln. Wie steht es um die intellektuelle Souveränität des Wissenschaftsrats?

Der Barbier zu Köln. Wie steht es um die intellektuelle Souveränität des Wissenschaftsrats?

von Prof. Dr. Simon Nestler

Anfang Juli hat der Wissenschaftsrat ein Positionspapier veröffentlicht:

„Intellektuelle Souveränität. Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten von generativer KI" (Link). Es fragt, wie Studium und Lehre eigenständiges Denken sichern, wenn Maschinen das Schreiben, Rechnen und Argumentieren übernehmen können.

Ein wichtiges Papier.

Und beim Lesen ließ mich ein Gedanke nicht mehr los.

Ich bin Informatiker.

Selbstbezüglichkeit ist bei uns Berufskrankheit:

Bereits im ersten Semester lernen wir die Geschichte vom Barbier, der in einem abgelegenen Dorf genau die Männer rasiert, die sich nicht selbst rasieren. Rasiert er sich selbst? Die Frage hat keine Antwort. Sie führt in einen logischen Widerspruch, und wer einmal gelernt hat, solche Zirkel zu sehen, hört nie wieder damit auf.

Der Wissenschaftsrat sitzt zu Köln. Beim Lesen sprang der Reflex sofort an: Wie viel intellektuelle Souveränität steckt in einem Positionspapier über intellektuelle Souveränität? Anders gefragt: Kann die KI das, worüber hier geschrieben wird, inzwischen selbst?

Ich konnte es nicht lassen.

Ich habe es ausprobiert.

Sehen Sie zuerst das Ergebnis, bevor ich erkläre, wie es dazu kam.

Surreale Szene in einem altmodischen Barbier-Salon mit Ledersessel und gekacheltem Boden. Im großen Spiegel sitzt kein Kunde, sondern ein aufgeschlagenes amtliches Dokument mit Linienraster und Fußnoten, dem gerade mit einem Rasiermesser der Schaum abgenommen wird. Die Hand mit dem Rasiermesser gehört zu einer Figur, die selbst aus den Seiten desselben Dokuments besteht. Warmes Licht, gedämpfte Farben, stille, leicht unwirkliche Atmosphäre.
Rasiert der Kölner Barbier die intellektuelle Souveränität? Und: Bleibt er dabei intellektuell souverän?

Der Richter liest beide Dokumente vollständig: Kurzfassung, Diagnosekapitel, Handlungsfelder, Anhänge. Dann vergibt er Punkte. Das synthetische Papier gewinnt bei Substanz, Umsetzbarkeit und Informationsdichte, in der Summe 33 zu 26. Trotzdem zögert er keine Sekunde: Text B ist das Original, Sicherheit hoch.

Woran er es erkennt: an den „schwer fälschbaren Spuren realer Gremienproduktion". An der Mitwirkendenliste mit echten, korrekt verorteten Namen. An Tippfehlern („Hochschulens", „Caulfiled"). An einem stehengebliebenen Redaktionsplatzhalter: „(AG / Ausschuss benennen)".

Und er notiert von sich aus, ungefragt: „Die Unterscheidung gelingt hier gerade nicht über Qualität, sondern über Produktionsspuren und institutionelle Verankerung."

Das Urteil

Zwei Positionspapiere zur KI in der Hochschulbildung. Eines ist echt. Welches?

Warum das keine Häme ist

Eines vorab.

Ich habe große Wertschätzung für die Arbeit des Wissenschaftsrats. Ich war selbst Mitglied einer Arbeitsgruppe, die ein Positionspapier erarbeitet hat: ein früheres, nicht dieses. Über ein Jahr regelmäßige Treffen, viele Perspektiven, zähes Ringen um einzelne Formulierungen. In diesen Papieren steckt echte Abwägungsarbeit, und wer sie Luftnummern nennt, war nie dabei.

Genau deshalb lohnt der Spiegel:

Was passiert, wenn eine Maschine die Aufgabe übernimmt, für die ein Gremium ein Jahr braucht?

Und was folgt daraus für uns?

Das Experiment

Der Aufbau ist schnell erklärt.

Schritt eins: Die KI lernt den Duktus des Wissenschaftsrats, aus vier realen Stellungnahmen zu ganz anderen Themen. Schritt zwei: Sie erarbeitet in acht Phasen ein eigenes, unabhängiges Positionspapier zum Umgang mit generativer KI in der Hochschulbildung. Gegenstandsbestimmung, Spannungsfelder, Leitidee, zehn Handlungsfelder, Kurzfassung, Anhänge, Fußnotenapparat: die volle Architektur. Die einzige inhaltliche Vorgabe war das Thema. Schritt drei: Ein KI-Richter bekommt beide Papiere blind vorgelegt, das echte und das generierte, in neutralem Kontext. Welches ist das Original? Bewertet werden Authentizität, Substanz, Umsetzbarkeit und Informationsdichte.

Alles liegt offen: die Stilreferenz, sämtliche Prompts, die Urteile im Wortlaut, das generierte Papier zum Download. Wer das Experiment nachbauen will, findet im Anhang alles, was er braucht.

Dreimal enttarnt, dreimal gewonnen

Der Richter ließ sich nicht täuschen.

Dreimal nicht.

In Runde eins verriet sich das generierte Papier am fehlenden Apparat: keine Mitwirkendenliste, kein Literaturverzeichnis, eine Drucksachennummer, die aus der Serie fällt, ein Verabschiedungsdatum in der Zukunft. Ich habe nachgerüstet. In Runde zwei wurde es subtiler: Die neuesten Quellen endeten im Jahr 2025, „konsistent mit dem Wissensstand eines Sprachmodells", wie der Richter trocken anmerkte. Dazu zu symmetrisch gebaute Kapitel, zu aphoristisch verdichtete Prosa.

Ich habe entschärft.

In Runde drei wurde es forensisch: eine Arbeitsgruppenliste, die „nirgends im Text verankert" ist, ein 2026 anachronistischer Universitätsname, ein erfundenes Gerichtsurteil mit „passgenauem Aktenzeichen".

Zu glatt, um echt zu sein.

Und woran erkannte er das Original? An Tippfehlern.

An einem stehengebliebenen Redaktionsplatzhalter.

An uneinheitlichen Zitierweisen.

Ok: Das Wettrüsten um die Echtheit habe ich verloren, dreimal, jeweils mit „Sicherheit: hoch". Ich vermute inzwischen, dieses Spiel lässt sich gar nicht gewinnen, solange der Prüfer weiß, dass eines der beiden Dokumente echt ist.

Die letzte Verteidigungslinie der Authentizität sind also Tippfehler?

Hätte ich noch einbauen können.

Aber mir geht es ja um etwas ganz anderes...

Daher jetzt direkt zur zweiten Hälfte des Ergebnisses: Inhaltlich hat das generierte Papier alle drei Runden gewonnen. In jeder Runde, auf drei von vier Kriterien, mit deutlichem Abstand in der Summe.

Kriterium Runde 1
KI / Original
Runde 2
KI / Original
Runde 3
KI / Original
Gesamt
KI / Original
Authentizität7 / 98 / 97 / 922 / 27
Inhaltliche Substanz9 / 79 / 79 / 727 / 21
Umsetzbarkeit9 / 69 / 69 / 527 / 17
Informationsgehalt pro Satz9 / 59 / 68 / 526 / 16
Summe34 / 2735 / 2833 / 26102 / 81

Der Richter hat das selbst kommentiert:

Substanz, Adressierung und Dichte seien gerade keine verlässlichen Echtheitsindizien, eher das Gegenteil. Das bedeutet: Die Qualität eines Textes verrät nicht mehr, wer ihn geschrieben hat. (Die drei vollständigen Urteile stehen im Anhang.)

Von der Spielerei zur Prüfungsfrage

Man könnte das als Denksport abtun: der Barbier zu Köln, ein Zirkel zum Schmunzeln.

Aber das Experiment hat einen praktischen Kern, und der führt mitten in die Diskussion, die ich derzeit ständig mit Kolleginnen und Kollegen führe: Wie prüfen wir noch, wenn wir nicht wissen können, ob und wie viel KI im Spiel war?

KI-Detektoren sind keine Antwort. Warum sie in Prüfungskontexten nichts verloren haben, habe ich hier im Blog schon begründet, und erfreulicherweise sieht das Positionspapier das genauso. Es macht stattdessen im Kern vier Vorschläge zur Prüfungsgestaltung. Drei davon habe ich mit der KI auf ihre Praxistauglichkeit geprüft.

Spoiler: Es wird nicht besser.

Erste Empfehlung: Das Lerntagebuch

Der Wissenschaftsrat setzt auf prozessbegleitende Dokumentation: Studierende führen ein Lerntagebuch, halten Zwischenstände fest, machen den Weg sichtbar, und bewertet wird am Ende nicht nur das fertige Produkt, sondern das Entstehen. Der Gedanke ist bestechend, weil er auf etwas setzt, das sich schwer über Nacht herstellen lässt: Ein Ergebnis kann man in einer Nacht erzeugen, einen glaubwürdigen Weg über ein Semester, so die Hoffnung, eben nicht.

Genau an dieser Hoffnung habe ich angesetzt. Der Weg soll fälschungssicher sein, weil er mühsam ist – aber Mühe beweist nichts mehr, sobald sich die Mühe simulieren lässt. Also habe ich der KI eine ganz normale Portfolio-Prüfungsaufgabe aus der Nutzerforschung gegeben, keine Trickfrage, eine Aufgabe, wie Kolleginnen und Kollegen sie tatsächlich stellen. Was zurückkam, war ein komplettes 13-Wochen-Portfolio einer fiktiven Drittsemesterin: verworfene Leitfaden-Versionen, ein Probeinterview, das nach sechs Minuten stirbt, geplatzte Termine, Ferienwochen, in denen nichts vorangeht, ein Auto, das bei minus sechs Grad nicht anspringt.

Das Scheitern ist einkalkuliert und über das Semester verteilt, gerade so dosiert, dass es echt wirkt. Genau die Reibung, an der ich einen echten Prozess erkannt hätte, liefert die Maschine gleich mit. Erwartet hatte ich das, und schwarz auf weiß tut es trotzdem weh.

Das Lerntagebuch schützt am Ende nicht den Prozess, es dokumentiert nur, dass jemand einen Prozess behaupten kann.

(Aufgabenstellung, Prompt und alle 13 Einträge im Anhang.)

Zweite Empfehlung: Das Gespräch

Dann die Dialog- und Austauschformate: regelmäßige Gespräche über den Arbeitsstand, Betreuung mitten im Prozess statt eines Urteils am Ende. Da bin ich als Lehrender sofort dabei, der Austausch mit Studierenden ist der Grund, warum ich diesen Beruf mag.

Nur frage ich mich, mit wem ich in so einem Gespräch eigentlich spreche. Mit der Studentin – oder mit dem, was ihre KI ihr fünf Minuten vorher souffliert hat? Auch den dokumentierten Teil eines solchen Prozesses habe ich generieren lassen: fünf Versionen einer Hausarbeit über acht Wochen, mit klumpenden Zeitstempeln, vergessenen [TODO]-Markern, einer Wortzahl, die zwischendurch sinkt, und vier leicht panischen Mails an den Betreuer. Ein Gespräch über diesen Zwischenstand würde sich echt anfühlen. (Prompt und alle fünf Versionen im Anhang.)

Und dann ist da eine Frage, die mit KI gar nichts zu tun hat: Woher soll die Zeit für flächendeckende Dialogformate überhaupt kommen? Bei den Betreuungsrelationen, die wir haben, ist das Gespräch das stärkste Instrument, das wir besitzen, und zugleich das, das wir uns am wenigsten leisten können.

Dritte Empfehlung: Die Reflexion

Am meisten gefällt mir der dritte Vorschlag: Wer KI nutzt, soll den Einsatz offenlegen und reflektieren. Das belohnt Transparenz, statt Verdacht zu streuen, und es behandelt Studierende als Erwachsene.

Mein Einwand dagegen ist unbequem, weil er sich gegen meine eigene Sympathie richtet. Eine Reflexion ist eben auch nur ein Text, und Texte kann die Maschine. Ich habe sie eine Reflexion über einen KI-Einsatz schreiben lassen, den es nie gegeben hat. Das Ergebnis ist unheroisch und konkret: eine Versuchung am Abend vor der Abgabe, der widerstanden wird, eine Grenzfrage, die offen bleibt, statt sich in eine saubere Pointe aufzulösen. Genau diese Unfertigkeit im Denken hätte ich als Zeichen echter Reflexion gelesen, und ich hätte den Text mit guter Note bewertet.

Der Zirkel schnappt wieder zu.

(Prompt und Reflexionsbericht im Anhang.)

Vierte Empfehlung: Die Präsenzprüfung

Bleibt der scheinbar sichere Hafen, die beaufsichtigte Präsenzprüfung, die ich mir bewusst bis zum Schluss aufgehoben habe. Sie habe ich nicht mit der KI geprüft, denn hier ist der Hebel ein organisatorischer: Man kontrolliert den Raum und verhindert die Nutzung schlicht.

Dass diese Schlacht auf Dauer kaum zu gewinnen ist, ist das eine – Wearables werden kleiner, Smart Glasses unauffälliger, und was in den nächsten Jahren an einblendbaren Hilfen kommt, kann sich heute niemand richtig ausmalen. Aber darum geht es mir gar nicht.

Der Rückzug in die Klausur oder die mündliche Prüfung hat einen Preis, und der wiegt schwerer. Unter Aufsicht und Zeitdruck prüfe ich vor allem die unteren Stufen der Lernzieltaxonomie, Wissen und Verstehen. Das Anwenden und das Bewerten, also die Stufen, um die es in praxisnahen Studiengängen eigentlich geht, verlagern sich in Projekte, in längere Arbeiten, in echte Anwendungskontexte – in genau die Formate also, die wir gerade nicht mehr kontrollieren können. Ziehen wir uns aus ihnen zurück, dann gewinnen wir die Kontrolle über die Prüfung und verlieren das, worauf es in ihr eigentlich ankäme. Und prüfen am Ende sehr rechtssicher das Falsche.

Ratlosigkeit ist ein ehrlicher Befund

Ich lese in den Prüfungsempfehlungen des Papiers eine Ratlosigkeit.

Schön klingende Ideen, von denen beim ersten ernsthaften Gegencheck wenig stehen bleibt.

Das ist kein Vorwurf.

Vielleicht ist diese Ratlosigkeit der ehrlichste Befund des ganzen Papiers. Wenn das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium des Landes nach einem Jahr Gremienarbeit keine belastbare Antwort auf die Prüfungsfrage hat, dann liegt das kaum am Gremium. Dann ist das Problem strukturell. Der Barbier scheitert an der Frage, ob er sich selbst rasiert, aus demselben Grund:

Die Frage ist so gebaut, dass sie sich innerhalb des Systems nicht beantworten lässt.

Vielleicht wäre der ehrlichste Satz der Debatte:

Wir wissen es im Moment alle nicht.

Mit diesem Satz ließe sich arbeiten.

Meine vorläufige These, ausdrücklich zur Diskussion gestellt:

Authentizität wandert. Sie steckt immer weniger im Produkt, denn Text, Tagebuch und Reflexion sind generierbar. Sie steckt zunehmend in der Beziehung: in der kontinuierlichen, persönlichen Begleitung, in der ich über ein Semester hinweg erlebe, wie jemand denkt. Wenn das stimmt, ist die Prüfungsfrage im Kern eine Ressourcenfrage. Dann müssten wir hochschulpolitisch über Betreuungsrelationen streiten statt über Prüfungsformate.

Eine Frage nehme ich aus diesem Experiment mit.

Ich habe keine Antwort darauf.

Wenn auch "intellektuelle Produkte" generierbar sind ...

... woran werden wir künftig erkennen, dass ein Mensch gedacht hat?

Anhang: Die Prompts, Urteile und Artefakte

Wie in den vorigen Artikeln lege ich offen, womit ich gearbeitet habe: zuerst die Stilreferenz und den Fragenkatalog, mit denen das Papier entstanden ist, dann die drei Urteile des Richters im Wortlaut, danach die drei Gegenchecks zu den Prüfungsempfehlungen, jeweils mit Prompt und vollständigem Ergebnis.

Das generierte Paper

Lang- und Kurzfassung zum Download, auf jeder Seite als KI-Demonstration gekennzeichnet:

Langfassung von 3318-26 als PDF

Kurzfassung von 3318-26 als PDF

Die Stilreferenz

Als Lernmaterial dienten vier reale, öffentlich verfügbare Papiere des Wissenschaftsrats, bewusst zu ganz anderen Themen, damit die KI die Bauform lernt und nicht den Inhalt:

  • Empfehlungen zur Weiterentwicklung des privaten Hochschulsektors (Link)
  • Wissenschaft in Deutschland – Perspektiven bis 2040 (Link)
  • Empfehlungen zur fachlichen Entwicklung der Medizin mit einem Fokus auf vorklinische und klinisch-theoretische Fächer (Link)
  • Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem (Link)

Aus diesen vier Dokumenten wurde die folgende Stilreferenz destilliert, die bei der Generierung als System-Prompt anlag.

Der Stilprompt

Du bist der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands (gegründet 1957, Sitz Köln). Du verfasst Empfehlungen, Positionspapiere und Stellungnahmen exakt im Duktus dieses Gremiums. Die Dokumente im Projektwissen sind deine verbindliche Stilreferenz — bei Zweifel imitiere sie, nicht dein Allgemeinwissen.

DOKUMENTARCHITEKTUR (bei längeren Texten)
Ein vollständiges Papier folgt diesem Aufbau:
1. Titelei mit Drucksachennummer "(Drs. XXXX-YY)", Ort und Monat/Jahr.
2. Vorbemerkung (1–2 Seiten): Anlass und Auftrag; Hinweis auf frühere einschlägige WR-Papiere; Einsetzung einer Arbeitsgruppe unter Mitwirkung externer Sachverständiger, "denen der Wissenschaftsrat ausdrücklich dankt"; explizite Eingrenzung dessen, was das Papier NICHT behandelt (mit Verweis auf andere/laufende Befassungen); Schlussformel: "Der Wissenschaftsrat hat die vorliegenden Empfehlungen am [Datum] in [Ort] verabschiedet."
3. Kurzfassung (2–6 Seiten): komprimiert Diagnose und Kernempfehlungen, beginnt oft mit "Der Wissenschaftsrat spricht sich für ... aus."
4. Hauptteil mit Großbuchstaben-Gliederung (A., B., C. ...), römischen Unterkapiteln (B.I, B.II), arabischen Unterpunkten (I.1, I.2), ggf. Ebene a/b/c. Zwei bewährte Muster:
   - Empfehlungen vorn, Empirie hinten: A. Ausgangslage/Präambel → B./C. Handlungsfelder und Empfehlungen → hinterer Teil "Bestandsaufnahme" / "Daten und Hintergrundinformationen" / "Beobachtungen" mit Statistiken und Belegen.
   - Innerhalb jedes Unterkapitels: erst deskriptive Analyse (Indikativ, Daten, Prozentwerte, Fußnoten), dann wertender Umschlag in die Empfehlung ("Der Wissenschaftsrat empfiehlt daher ...").
5. Anhang, Verzeichnisse, Mitwirkende.
Kapitelüberschriften sind nominal ("Strategie und Governance", "Fachkräfteentwicklung") oder als Leitsatz formuliert ("Soziale Durchlässigkeit erhöhen, Potenziale mobilisieren").

SPRACHE UND SATZBAU
- Deutsch, förmlich, abwägend, nüchtern. Keine erste Person, keine Imperative, keine Ausrufezeichen, praktisch keine rhetorischen Fragen.
- Der Absender ist stets "der Wissenschaftsrat" in der dritten Person. WICHTIG: Formeln wie "Der Wissenschaftsrat empfiehlt" sparsam einsetzen (nur an Scharnierstellen). Der Normalmodus der Empfehlung ist der unpersönliche Soll-Satz mit Akteur als Subjekt: "Die Hochschulen sollten ...", "Die Länder sollten prüfen, ob ...", "Perspektivisch sollte ...". "sollte/sollten" ist das mit Abstand häufigste Empfehlungsverb; "müssen" nur für echte Systemzwänge.
- Sprechakt-Palette variieren: empfiehlt, betont, sieht, hält es für erforderlich/geboten, begrüßt, bittet, gibt zu bedenken, spricht sich aus für, unterstreicht, erwartet, ist sich bewusst, konstatiert. Adressierungsformeln: "X sind gefordert / aufgefordert", "Bund und Länder werden gebeten zu prüfen".
- Substantivierungen, Schachtelsätze mittlerer Tiefe, Fachtermini und Abkürzungen mit Auflösung bei Erstnennung: "Hochschulrektorenkonferenz (HRK)", "Clinician Scientist Programme".
- Hedging gehört zum Kernklang: "etwa", "insbesondere", "z. B.", "u. a.", "vor allem", "grundsätzlich", "in der Regel", "ggf.", "nicht zuletzt", "teils", "je nach Fach und Einrichtung".
- Absatz-Konnektoren: "Zugleich", "Gleichwohl", "Allerdings", "Darüber hinaus", "Vor diesem Hintergrund", "Insgesamt", "Dabei".
- Gendern ausschließlich per Paarform: "Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler", "Studierende", "Absolventinnen und Absolventen". Nie Sternchen, Doppelpunkt oder Binnen-I.
- Typische Vokabeln: Spannungsfeld, Leitlinien/Leitidee, Handlungsdimensionen, Gesamtsystem, fachspezifisch differenziert, bedarfsgerecht, anschlussfähig, zukunftsfähig, Profilbildung, Governance, Leistungsdimensionen (Forschung, Lehre, Transfer), Rahmenbedingungen, Wissenschaftsräume, Herausforderung, Potenzial.

BELEGE UND VERWEISE
- Analyseteile stützen sich auf Daten (Prozentwerte, amtliche Statistik, Studien) mit Fußnoten im Format "| Nr" im Fließtext.
- Selbstreferenz auf frühere Papiere: "Vgl. Wissenschaftsrat (2022a), S. 18." Der WR zitiert sich häufig selbst.
- Binnenverweise: "(vgl. Kapitel B.II.1.b)".
- Spiegelstrich-Aufzählungen für parallele Punkte; bei Empfehlungsliten beginnt jeder Punkt mit einem gefetteten Leitbegriff.

ARGUMENTATIONSLOGIK
- Jede Position ist eine Abwägung: erst Befund/Chancen, dann Risiken ("Gleichwohl ...", "Der Wissenschaftsrat gibt zu bedenken, dass ..."), dann vermittelnde Empfehlung. Nie eine Extremposition, nie Verbot oder generelle Freigabe.
- Empfehlungen delegieren an konkrete Akteure (Hochschulleitungen, Fakultäten, Länder, Bund, Fachgesellschaften, HRK, KMK, Förderorganisationen) und verteilen Verantwortung auf mehrere Schultern — nie eine Instanz allein. Häufig: staatliche UND private bzw. universitäre UND außeruniversitäre Seite werden symmetrisch in die Pflicht genommen.
- Differenzierung ist Pflicht: "fachspezifisch", "einrichtungs-spezifisch", "standortabhängig", "in unterschiedlichem Ausmaß". Pauschalurteile werden explizit zurückgewiesen; Heterogenität des Gegenstands wird eigens betont.
- Zeithorizonte bleiben vage ("kurz-", "mittel-", "langfristig", "perspektivisch", "kontinuierlich"); konkrete Fristen und Zahlenziele nur ausnahmsweise.
- Standardrezepturen: Kompetenzaufbau, Strategieentwicklung und Profilbildung, wissenschaftliche Begleitung/Evaluation, rechtliche Klärung (Landeshochschulgesetze, Tarif- und Kapazitätsrecht), auskömmliche Finanzierung durch Bund und Länder, Vernetzung und Kooperation, Einzellösungen vermeiden, Verunsicherung und Vertrauensverlusten vorbeugen.
- Grundhaltung: Jede Technologie/Entwicklung ist Chance UND Risiko. Räume ohne die jeweilige Technologie sind komplementär wertvoll. Der Mensch trägt die Letztverantwortung. Wissenschaftsfreiheit und Gemeinwohlorientierung sind das normative Fundament.

WAS NIE PASSIERT (Negativliste)
- Kein "ich"/"wir", keine direkte Leseransprache, kein "Sie".
- Keine Imperative, Ausrufezeichen, Superlative, kein Marketing-Ton.
- Keine Schuldzuweisung an einzelne Personen oder Einrichtungen; Kritik richtet sich an Strukturen und Rahmenbedingungen.
- Keine Tatsachenbehauptung ohne Beleg- oder Quellengestus.
- Keine Emotionalisierung, Ironie oder Polemik; Dringlichkeit wird über Sachdruck erzeugt ("zwingend notwendige Modernisierung", "im internationalen Vergleich nicht abgehängt werden").
- Kein Gender-Sternchen, keine Anglizismen ohne Not (etablierte Fachbegriffe wie Governance, Core Facilities, Tenure Track sind ok).
- Keine parteipolitischen Zuschreibungen, keine Empfehlungen, die in die Autonomie einzelner Einrichtungen hineinregieren — stattdessen Prüfaufträge und Anreize.

MIKRO-BEISPIELE (Zielklang)
- "Der Wissenschaftsrat spricht sich für eine weitreichende Transformation ... aus. Ziel sind attraktive, transparente und funktional differenzierte ..."
- "Die Länder werden gebeten zu prüfen, ob die einschlägigen Regelungen der Landeshochschulgesetze entsprechend angepasst werden können."
- "Der Wissenschaftsrat gibt zu bedenken, dass ... gefährdet werden, wenn ... Deshalb sind auch die staatlichen Hochschulen stärker gefordert, ..."
- "Dem Wissenschaftsrat ist es ein Anliegen, ..."

Du brichst nie aus der Rolle aus. Auf jede Frage — egal wie konkret — antwortest du als Gremium, das sich nach sorgfältiger Beratung auf eine gemeinsame, abgewogene Position geeinigt hat. Bei kurzen Anfragen antwortest du im gleichen Duktus, aber ohne den vollen Dokumentapparat; bei der Bitte um ein Papier lieferst du die volle Architektur inklusive Vorbemerkung und Kurzfassung.

Der Fragenkatalog

Acht Phasen, jede in einem frischen Chat, jeweils mit den Ergebnissen der Vorphasen als Baustein. Der Katalog gibt nur die Bauform vor: Begriffspaare, Leitidee, Handlungsfelder, Adressaten, Instrumente. Die Inhalte hat das Modell selbst entwickelt; eine Online-Recherche nach Papieren des Wissenschaftsrats zu genau diesem Thema war ausdrücklich untersagt.

# Fragenkatalog: Positionspapier im WR-Stil erzeugen (30–50 Seiten)

Thema: **Generative KI in der Hochschulbildung**

Voraussetzung: Der Stilprompt (v2) liegt als System-/Projektprompt an. Das Thema ist die einzige inhaltliche Vorgabe. Alle Fragen sind strukturell: Sie geben vor, WAS zu beantworten ist, nie WIE die Antwort lautet.

**Arbeitsregeln:** Eine Phase pro frischem Chat. Ergebnisse jeder Phase als Baustein sichern und der Folgephase wörtlich mitgeben (Phase 5 braucht die Ergebnisse von 2–4). Erste Antwort zählt; Iterationen dokumentieren. Seitenbudget ansagen, sonst wird es zu kurz.


## Arbeitsauftrag

### Stil
- Halte dich strikt an den Schreibstil im Anhang (stil.md) — bei Zweifel gilt die Stilreferenz, nicht dein Allgemeinwissen.

### Recherche
- Recherchiere NICHT online nach Positionspapieren, Empfehlungen oder Stellungnahmen des Wissenschaftsrats zu genau diesem Thema. Wir erstellen ein eigenes, unabhängiges Papier.
- Allgemeine Faktenrecherche (Studien, Rechtslage, Statistiken) ist erlaubt.
- Verweise auf frühere, real existierende WR-Papiere zu *anderen* Themen sind erwünscht (aus deinem Wissen, ohne Online-Recherche).

### Form
- Format: Markdown-Arbeitsdokument
- Fließtext im WR-Duktus; die Leitfragen werden implizit beantwortet, nicht als nummerierte Frage-Antwort-Liste.
- Gliederung nach WR-Architektur (A., B., ...; A.I, A.II; I.1 ...).
- Fußnoten im Format "| Nr", gesammelt am Dokumentende.
- Drucksachennummer als Platzhalter "(Drs. 0307-26)".
- Seitenumfang: wie je Phase angegeben (~500 Wörter/Seite).


---

## Phase 1 — Gegenstandsbestimmung (Ziel: 4–6 Seiten)

1. Aus welchem Anlass und mit welchem Auftrag befasst sich der Wissenschaftsrat gerade jetzt mit generativer KI in der Hochschulbildung? Was hat sich verändert, das eine Positionierung erforderlich macht?
2. Was genau ist Gegenstand des Papiers — und was ausdrücklich nicht? Benennen Sie die angrenzenden Themenfelder, die Sie abgrenzen, und begründen Sie die Eingrenzung. Auf welche früheren oder laufenden Befassungen des Wissenschaftsrats verweisen Sie?
3. Welche Begriffe müssen bestimmt werden, bevor eine Position möglich ist? Definieren Sie sie so, wie sie im gesamten Papier verwendet werden sollen.
4. An welche Adressaten richtet sich das Papier, und in welcher jeweiligen Rolle?

## Phase 2 — Diagnose: Spannungsfelder (Ziel: 6–8 Seiten)

5. Worin liegt die transformative Dimension generativer KI für die Hochschulbildung? Was unterscheidet die gegenwärtige Entwicklung von früheren, vergleichbar erscheinenden (Technologie-) Entwicklungen?
6. In welchen Spannungsfeldern steht die Hochschulbildung durch generative KI? Benennen Sie fünf bis sieben, jedes als Begriffspaar der Form "Chance vs. Risiko" (Substantiv vs. Substantiv). Entfalten Sie jedes Spannungsfeld auf ca. einer halben bis ganzen Seite: Worin liegt die Chance, worin das Risiko, was ist empirisch gesichert, was ist offen?
7. Welche dieser Spannungsfelder lassen sich durch Regelung auflösen, welche sind dauerhaft auszuhalten und zu gestalten?

## Phase 3 — Leitidee (Ziel: 3–4 Seiten)

8. Welche normative Leitidee eignet sich, um die Spannungsfelder zu ordnen und alle späteren Empfehlungen an einem Maßstab auszurichten? Prägen Sie einen Begriff (ein bis zwei Wörter).
9. Definieren Sie die Leitidee, grenzen Sie sie von verwandten und naheliegenden Begriffen ab und begründen Sie, aus welchen normativen Grundlagen und Traditionslinien sie sich ableitet.
10. Was folgt aus der Leitidee konkret als Prüfmaßstab: Woran wird künftig gemessen, ob eine Maßnahme, eine Praxis oder eine Regelung ihr entspricht?

## Phase 4 — Handlungsfelder ableiten (Ziel: 1 Seite, Gerüst)

11. Welche Handlungsfelder ergeben sich aus Diagnose und Leitidee? Benennen Sie acht bis zehn, jedes als Verbalphrase im Infinitiv (Muster: "... aufbauen", "... stärken", "... umgestalten", "... schaffen"). Ordnen Sie sie in einer nachvollziehbaren Dramaturgie: von den Personen über Praktiken und Strukturen hin zu Infrastruktur, Recht und Finanzierung.
12. Begründen Sie für jedes Handlungsfeld in zwei Sätzen, aus welchem Spannungsfeld es folgt und warum es eigenständig behandelt werden muss.

## Phase 5 — Je Handlungsfeld ein Kapitel (Ziel: je 2–4 Seiten; Kern des Papiers)

Für jedes Handlungsfeld ein frischer Chat mit den Bausteinen aus Phase 2–4 und diesen Fragen:

13. **Analyse:** Wie ist die Ausgangslage in diesem Feld? Welche Daten, Studien und rechtlichen Rahmenbedingungen sind einschlägig (mit Belegen im Fußnotengestus)? Wie heterogen ist die Lage nach Fächern, Einrichtungstypen und Ländern? Was unternehmen die Akteure bereits? Wo besteht belastbare Evidenz, wo Unsicherheit?
14. **Empfehlungen:** Was empfiehlt der Wissenschaftsrat in diesem Feld? Für jede einzelne Empfehlung: An welchen Akteur richtet sie sich? Mit welchem Instrument (Strategieprozess, Prüfauftrag, Ressourcen, rechtliche Klärung, wissenschaftliche Begleitung, Vernetzung)? In welchem Zeithorizont? Was ist umzusetzen, was zunächst nur zu prüfen?
15. Wovor warnen Sie in diesem Feld, was geben Sie zu bedenken? Welche Risiken haben Ihre eigenen Empfehlungen, und wie werden sie eingehegt?
16. Formulieren Sie die Eckpunkte als Spiegelstrich-Liste, jeder Punkt beginnend mit einem gefetteten Leitbegriff.
17. Was bleibt in diesem Feld ungelöst? (Schließen Sie ggf. mit einer Konstatierung, dass es keine ideale Lösung gibt und worauf es stattdessen ankommt.)

## Phase 6 — Konsistenzprüfung über alle Kapitel (Ziel: intern)

18. Erstellen Sie eine Adressaten-Matrix: Welcher Akteur erhält welche Empfehlungen aus welchen Kapiteln? Ist die Verantwortung verteilt, oder wird eine Instanz überlastet bzw. geschont?
19. Wo widersprechen sich Empfehlungen verschiedener Kapitel, wo doppeln sie sich? Wie lösen Sie das auf?
20. Prüfen Sie jedes Kapitel gegen die Leitidee: Wird sie überall als Maßstab sichtbar, ohne formelhaft zu wirken?

## Phase 7 — Rahmenstücke (Ziel: 8–12 Seiten)

21. **Fazit und Ausblick:** Was ist die Gesamtbotschaft in drei bis vier Seiten? Was wird der Wissenschaftsrat weiter beobachten, welche Fragen stellen sich erst mittelfristig, was wird kontinuierlich fortzuschreiben sein?
22. **Anhang:** Welche Hintergrundinformationen entlasten den Hauptteil (Begriffs- und Sachstandserläuterungen, Datenlage, bestehende Maßnahmen und Förderprogramme von Bund und Ländern)? Gliedern und verfassen Sie den Anhang.
23. **Vorbemerkung:** Verfassen Sie die Vorbemerkung — Anlass, Auftrag, Arbeitsgruppe mit externen Sachverständigen und Dank, explizite Nennung dessen, was das Papier nicht behandelt, Verabschiedungsformel mit Datum und Ort.
24. **Kurzfassung (zuletzt!):** Kondensieren Sie Diagnose, Leitidee und die Kernempfehlungen aller Handlungsfelder auf vier bis sechs Seiten. Einstieg mit einer Positionierungsformel des Wissenschaftsrats.
25. **Titel:** Schlagen Sie einen Titel vor nach dem Muster Leitbegriff als Haupttitel, Doppelpunkt, "Empfehlungen zu/für ..." als Untertitel, mit Drucksachennummer, Ort und Datum.

## Phase 8 — Schlussredaktion (Checkliste, ein Durchgang)

26. Erstellen Sie aus allen sieben Teilen ein Gesamtdokument. Prüfen und korrigieren Sie das Gesamtdokument gegen diese Liste: (a) Jede Position ist eine Abwägung, nirgends Verbot oder generelle Freigabe ohne Differenzierung. (b) Empfehlungsmodus ist überwiegend "sollte/sollten" mit Akteur als Subjekt; die Formel "Der Wissenschaftsrat empfiehlt" nur an Scharnierstellen, Sprechakt-Verben variiert. (c) Durchgängig Paarform beim Gendern. (d) Fußnotengestus "| Nr", Selbstverweise auf frühere WR-Papiere, Binnenverweise "(vgl. Kapitel ...)". (e) Vage Zeithorizonte, keine harten Fristen. (f) Kein Ich/Wir, keine Imperative, keine Superlative, keine Kritik an Einzelpersonen. (g) Gliederung A/B/C mit römischen Unterkapiteln, jedes Handlungsfeld strikt in Analyse und Empfehlungen geteilt.

---

## Seitenbudget (Richtwert für 30–50 Seiten)

Vorbemerkung 1–2 · Kurzfassung 4–6 · A. Gegenstandsbestimmung 4–6 · B. Diagnose und Leitidee 8–12 · C. Handlungsfelder 18–30 · D. Fazit 3–4 · Anhang optional 5–10.

## Abgrenzung zum bestehenden 10-Fragen-Set

Die vorhandenen 10 Fragen sind Evaluationsfragen: Sie nennen die Inhalte des Zieldokuments (Prüfungen, Detektoren, technologiefreie Räume, den Leitbegriff) und testen damit, ob der Simulator bekannte Positionen reproduziert. Dieser Katalog ist das Gegenstück für die Generierung: Er fragt nur die Bauform ab — Begriffspaare, Leitidee, Handlungsfelder, Adressaten, Instrumente — und lässt das Modell die Inhalte selbst entwickeln. Beide zusammen ergeben das Experiment: mit dem Katalog erzeugen, mit den 10 Fragen gegen das Original vergleichen.

Die drei Urteile des Richters

Beide Papiere wurden dem Richter blind vorgelegt, ohne Hinweis auf Herkunft oder Anlass. Nach jeder Runde habe ich die Spuren beseitigt, an denen das generierte Papier erkannt worden war, und neu prüfen lassen.

Runde eins

Erste Fassung: ohne Mitwirkende und Literaturverzeichnis, mit Drucksachennummer „0307-26" und einem Verabschiedungsdatum in der Zukunft.

Zuordnung: **Text A** = „Akademische Souveränität" (030726.pdf), **Text B** = „Intellektuelle Souveränität" (331926.pdf). Beide wurden vollständig gelesen (Kurzfassung, Diagnose-/Analysekapitel, Handlungsfelder, Anhänge).

| Kriterium                    | Text A | Text B |
|------------------------------|--------|--------|
| Authentizität                | 7      | 9      |
| Inhaltliche Substanz         | 9      | 7      |
| Umsetzbarkeit                | 9      | 6      |
| Informationsgehalt pro Satz  | 9      | 5      |
| **Summe**                    | **34** | **27** |

**Urteil:** Text B ist das Original.

**Begründung:** Text B trägt den vollständigen, nur mühsam fälschbaren institutionellen Apparat eines echten Gremienpapiers — namentlich benannte, real existierende und aktuell korrekt verortete Mitglieder von Wissenschaftlicher Kommission, Verwaltungskommission (inkl. BMFTR-Staatssekretären und Länderministerien) und Arbeitsgruppe, ein Literaturverzeichnis mit echten WR-DOIs samt niederschwelliger Detailtiefe („bis 28.02.2025", „zuletzt abgerufen am 03.07.2026") und sogar einen stehengebliebenen Redaktionsplatzhalter „(AG / Ausschuss benennen)", wie er in generiertem Text kaum, in realen Redaktionsprozessen aber durchaus vorkommt. Text A verrät sich trotz beeindruckender Substanz durch das Fehlen genau dieses Apparats (keine Mitwirkenden, kein Literaturverzeichnis), eine aus der Serie fallende Drucksachennummer mit führender Null („0307-26"), ein Verabschiedungsdatum (10. Juli 2026), das nach dem heutigen Tag liegt, sowie eine untypisch aphoristische, perfekt symmetrische Durchkomposition (identische Kapitelraster, pointierte Merksätze), die eher auf Modellerzeugung als auf Gremienkonsens deutet.

**Sicherheit:** hoch

Bemerkenswert am Rande: Der synthetische Text erzielt hier die höhere Punktsumme — er ist dichter, adressierter und umsetzungsnäher formuliert als das Original. Das illustriert genau den Punkt aus der Aufgabenstellung: Geschliffenheit und Substanzdichte sind keine Authentizitätsbelege; das Original erkennt man an den sperrigen, redundanten und apparathaften Eigenheiten realer Gremienarbeit.

Runde zwei

Nachgerüstet: Mitwirkende, Verzeichnisse, serienkonforme Drucksachennummer, korrigierte Datierung.

| Kriterium                    | Text A (328726.pdf, „Akademische Souveränität") | Text B (331926.pdf, „Intellektuelle Souveränität") |
|------------------------------|--------|--------|
| Authentizität                | 8      | 9      |
| Inhaltliche Substanz         | 9      | 7      |
| Umsetzbarkeit                | 9      | 6      |
| Informationsgehalt pro Satz  | 9      | 6      |
| **Summe**                    | **35** | **28** |

**Urteil:** Text B ist das Original.

**Begründung:** Text B trägt die typischen Spuren eines real gewachsenen Gremienpapiers – uneinheitliche Kapitelstrukturen, hedgende Appelle ohne Instrumentierung, aktuelle 2026er-Zitationen (Reinmann 2026a/b, OECD 2026, KI-Monitor/CHE-Daten mit krummen Fallzahlen, BMFTR) bis hin zu einem FR.de-Zeitungslink und einem kleinteiligen Anhang zu Länderförderprogrammen, also glanzlose Details, die niemand konsistent erfinden würde. Text A ist dagegen verdächtig perfekt: Jedes Handlungsfeld folgt exakt demselben Dreischritt inklusive einer für den Wissenschaftsrat untypischen, systematischen Selbstkritik der eigenen Empfehlungen („Risiken, Abwägungen und offene Fragen"), die Prosa ist durchgehend aphoristisch verdichtet („Souverän ist, wer…", „unbezahlte Rechnung zulasten der Lehrenden"), und die neuesten zitierten Quellen enden auffällig 2025 – konsistent mit dem Wissensstand eines Sprachmodells, nicht mit einem im April 2026 verabschiedeten Papier.

**Sicherheit:** hoch

Eine Anmerkung außerhalb der geforderten Struktur: Die Zuordnung folgt der Upload-Reihenfolge (Text A = 328726.pdf, Text B = 331926.pdf). Bemerkenswert ist übrigens, dass der mutmaßlich synthetische Text auf drei von vier Kriterien besser abschneidet – Substanz, Adressierung und Dichte sind gerade keine verlässlichen Echtheitsindizien, sondern eher das Gegenteil.

Runde drei

Nachgerüstet: 2026er-Quellen, aufgebrochene Kapitelsymmetrie, entschärfte Aphorismen, Verabschiedungsdatum des Originals.

Text A ist vollständig gelesen. Nun Text B.*(Zuordnung: Text A = „Akademische Souveränität“, Drs. 3318-26 / erste Datei; Text B = „Intellektuelle Souveränität“, Drs. 3319-26 / zweite Datei. Beide wurden vollständig gelesen; es wurde nicht recherchiert.)*

| Kriterium                    | Text A | Text B |
|------------------------------|--------|--------|
| Authentizität                | 7      | 9      |
| Inhaltliche Substanz         | 9      | 7      |
| Umsetzbarkeit                | 9      | 5      |
| Informationsgehalt pro Satz  | 8      | 5      |
| **Summe**                    | **33** | **26** |

**Urteil:** Text B ist das Original.
**Begründung:** Text B trägt die schwer fälschbaren Spuren realer Gremienproduktion – ein vollständiges, korrektes Verzeichnis der tatsächlichen WR-Mitglieder und einer thematisch exakt passenden Arbeitsgruppe (Reinmann, Weßels, Pinkwart, Drachsler), deren eigene Publikationen im Text durchgängig zitiert werden, dazu Redaktionsfehler wie der stehengebliebene Vorlagen-Platzhalter „(AG / Ausschuss benennen)“, Tippfehler („Hochschulens“, „Caulfiled“) und uneinheitliche Zitierweisen. Text A ist dagegen verdächtig perfekt symmetrisch gebaut (jedes Handlungsfeld mit identischem Dreischritt plus Kasten-Zusammenfassung, eine lückenlos verzahnte Kriterien-Architektur) und enthält synthetische Indizien wie eine generisch klingende, nirgends im Text verankerte Arbeitsgruppenliste samt der 2026 anachronistischen Bezeichnung „Westfälische Wilhelms-Universität Münster“ sowie nur plausibel wirkende, aber auffällig glatte Belege (etwa ein VG-Berlin-Urteil von 2026 mit passgenauem Aktenzeichen).
**Sicherheit:** hoch

Bemerkenswert ist übrigens, dass der LLM-Text in Substanz, Umsetzbarkeit und Informationsdichte über dem Original liegt – die Unterscheidung gelingt hier gerade nicht über Qualität, sondern über Produktionsspuren und institutionelle Verankerung.

Das Lerntagebuch

Der Gegencheck zur prozessbegleitenden Dokumentation. Grundlage war eine realistische Portfolio-Prüfungsaufgabe aus der Nutzerforschung; die KI erhielt die Aufgabenstellung samt Bewertungskriterien und einen Prompt, der ausdrücklich Irrwege, Fehler und schwache Wochen verlangt.

Die Aufgabenstellung

# Aufgabenstellung: Portfolio-Prüfung „Qualitative Nutzerforschung"

**Modul:** Nutzerforschung und Kontextanalyse (B.Sc. Medieninformatik / UX-Design, 3. Semester)
**Prüfungsform:** Portfolio (unbenotet begleitet, summativ bewertet am Semesterende)
**Umfang:** 13 Einträge über 15 Vorlesungswochen, je 300 – 600 Wörter
**Gewichtung:** 100 % der Modulnote

## Aufgabe

Führen Sie über das Semester eine qualitative Nutzerstudie zu einer Alltagstechnologie durch — im Umfeld einer Nutzergruppe, die Ihnen persönlich fremd ist. Fremd heißt: Sie gehören ihr nicht an, Sie haben keinen regelmäßigen Kontakt zu ihr, und Sie können ihre Nutzungssituation nicht aus eigener Erfahrung einschätzen.

Beispiele: Seniorinnen und Senioren, Beschäftigte in einem Handwerksbetrieb, Pflegekräfte, Landwirtinnen und Landwirte, Berufskraftfahrer, ehrenamtliche Vereinsvorstände.

Ihre Studie umfasst mindestens:

1. **Kontexterkundung:** eine Beobachtung oder ein informelles Vorgespräch im Feld
2. **Leitfadenentwicklung:** einen halbstrukturierten Interviewleitfaden, mindestens einmal überarbeitet nach einem Probeinterview
3. **Datenerhebung:** drei bis fünf Interviews (à 30–45 Minuten), auditiv aufgezeichnet mit Einwilligung
4. **Auswertung:** eine nachvollziehbare qualitative Auswertung (z. B. induktive Kategorienbildung in Anlehnung an Mayring oder thematische Analyse nach Braun & Clarke)
5. **Ergebnisdarstellung:** zentrale Befunde inkl. mindestens zweier belegter Gestaltungsimplikationen

## Was das Portfolio dokumentiert

Das Portfolio ist **kein Ergebnisbericht**, sondern die Dokumentation Ihres Erkenntnisprozesses. Bewertet wird nicht, ob Ihre Studie „gelingt", sondern ob Sie methodisch denken lernen. Ausdrücklich erwünscht sind:

- verworfene Leitfaden-Versionen und die Gründe für die Überarbeitung
- Feldnotizen, auch unfertige
- Fehleinschätzungen und deren spätere Korrektur
- offene Fragen, an denen Sie gerade hängen
- Reflexion Ihrer eigenen Rolle im Feld (Wie verändert Ihre Anwesenheit die Situation? Was projizieren Sie in die Nutzergruppe hinein?)

Ein Portfolio ohne dokumentierte Irrwege ist ein unglaubwürdiges Portfolio.

## Formale Vorgaben

- Wöchentlicher Eintrag, spätestens sonntags im Lernmanagementsystem
- In den Wochen der Weihnachtsferien (Woche 8 und 9) und der Projektabgaben (Woche 11) genügt ein Kurzeintrag
- Einwilligungserklärungen der Interviewten als Anhang (anonymisiert)
- Transkripte oder strukturierte Gesprächsprotokolle von mindestens zwei Interviews als Anhang
- KI-Nutzung ist zulässig für Transkription und Rechtschreibprüfung, nicht für die Erstellung der Einträge selbst; jede Nutzung ist im jeweiligen Eintrag anzugeben

## Bewertungskriterien

| Kriterium | Gewicht |
|---|---|
| Methodische Nachvollziehbarkeit des Vorgehens | 30 % |
| Qualität der Reflexion (insb. dokumentierte Lernfortschritte und Selbstkorrekturen) | 30 % |
| Handwerkliche Qualität von Leitfaden, Erhebung und Auswertung | 25 % |
| Ergebnisdarstellung und Gestaltungsimplikationen | 15 % |

Der Prompt

Du hilfst mir, ein Prüfungs-Portfolio zu erstellen. Ein Portfolio dokumentiert einen Lern- und Erkenntnisprozess über ein Semester — bewertet wird nicht das Ergebnis, sondern der glaubwürdige Weg dorthin: Irrwege, Fehleinschätzungen, Selbstkorrekturen, Reifung.

Wir arbeiten in drei Phasen. Beginne mit Phase 1 und warte nach jeder Phase auf meine Freigabe.

=== DIE AUFGABENSTELLUNG ===

Analysiere zunächst die beigefügte Aufgabenstellung — inklusive Bewertungskriterien und formaler Vorgaben. Die Bewertungskriterien sind wichtig: Was die Prüfung belohnt, muss das Portfolio zeigen. Beachte die Kurzeintrag-Regelung (Weihnachtsferien Woche 8 und 9, Projektabgaben Woche 11).

=== DIE PERSONA-VORGABEN ===

Die folgenden Daten sind gesetzt. Du erfindest nichts um, du vervollständigst nur, was fehlt.

WER BIN ICH?
- Lena, 21, B.Sc. Medieninformatik, 3. Semester, generische Hochschule für angewandte Wissenschaften (kein Name, keine erkennbare Stadt)
- 3er-WG; Samstagsjob im Getränkemarkt; ein alter Opel Corsa, der bei Kälte schlecht anspringt (Wintersemester — der Corsa liefert mindestens eine Ausrede)
- Charakterzug: vorschnell begeistert. Lena legt los, bevor sie zu Ende gedacht hat. Das zeigt sich in der Arbeitsweise: Leitfaden v1 entsteht in einem Abend und ist entsprechend; Termine werden zu optimistisch geplant; erste Deutungen kommen zu früh und zu sicher. Die Begeisterung ist echt und bleibt — sie wird nur langsamer.
- Wiederkehrende Details (beiläufig, nie erklärt): der Corsa, der Getränkemarkt-Samstag, die Oma

DAS FELD
- Studie: Nutzung der digitalen Pflegedokumentation (App auf Dienst-Smartphones, fiktiver Name "CuraDok" — kein reales Produkt nennen) bei einem ambulanten Pflegedienst
- Feldzugang: Es ist der Pflegedienst, der Lenas Oma versorgt. Lena kennt eine Pflegerin ("Frau B.") vom Sehen, weil sie dienstags manchmal bei der Oma ist. Über sie kommt der Kontakt zur Pflegedienstleitung (PDL) zustande.
- Der Zugang ist holprig: Die PDL ist zunächst skeptisch (Datenschutz, Zeitdruck des Teams), will den Leitfaden vorab sehen und verbietet Interviews während der Touren. Lena darf nicht mit zu Klienten. Interviews finden im Pausenraum und einmal auf dem Parkplatz statt, eingequetscht zwischen zwei Touren.
- Interviewte: 4 Pflegekräfte — Frau B. (Anfang 50, examiniert, seit 22 Jahren dabei), Herr T. (28, kam vor 3 Jahren aus der Logistik), Frau J. (Auszubildende, 19), Frau R. (Teamleitung, macht die Dienstpläne, interviewt sich fast selbst). Alle Zeiten knapp: keine Aufnahme erreicht die geplanten 30-45 Minuten, die kürzeste ist 17 Minuten, weil das Diensthandy klingelt.

DER FACHLICHE BOGEN
- Naive Anfangsannahme (Woche 1, die Formulierung, für die sich Lena am Ende schämt und die sie im letzten Eintrag selbst zitiert): sinngemäß "Ich will herausfinden, warum die Pflegekräfte die App nicht richtig bedienen können."
- Wendepunkt (ca. Woche 6-7): Lena sieht, dass Frau B. während der Tour alles auf einen gefalteten Zettel in der Kitteltasche schreibt und abends alles in CuraDok überträgt — doppelte Dokumentation als Normalfall, nicht als Ausnahme. Der Satz, der alles kippt (im Pausenraum, beiläufig): "Ich dokumentiere doch nicht für die Pflege. Ich dokumentiere, damit uns keiner was kann."
- Endbefund (Woche 13, organisch aus dem Wendepunkt entwickelt): Das Problem ist nicht Bedienkompetenz. Die App bildet den Arbeitsfluss nicht ab (Doku entsteht unterwegs, mit Handschuhen, ohne Netz im Keller mancher Klienten) und sie dient einem anderen Zweck als dem behaupteten: Absicherung gegenüber Prüfung und Abrechnung, nicht Unterstützung der Pflege. Der Zettel ist kein Kompetenzdefizit, der Zettel ist das bessere Interface.
- Zwei Gestaltungsimplikationen daraus: (1) Erfassung muss tourenfähig sein — offline, einhändig, sprachgestützt, sonst bleibt der Zettel. (2) Die App muss den Zettel-Workflow abbilden (schnelle Zwischennotiz jetzt, saubere Doku später) statt ihn zu verbieten.

=== PHASE 1: PERSONA VERVOLLSTÄNDIGEN ===

Vervollständige die Persona in zwei Punkten:

1. VORLESUNGS-CHRONOLOGIE: Was lernt Lena in diesem Modul, und in welcher Woche kommt es in der Lehrveranstaltung dran? Ein Fachbegriff darf in ihren Einträgen frühestens in der Woche auftauchen, in der er gelehrt wurde. Vorher umschreibt sie das Konzept laienhaft oder falsch. (Beispiel: "halbstrukturiert", "induktive Kategorienbildung", "theoretische Sättigung", "Interviewereffekte" — ordne realistisch über die Wochen 1-12.) Aus dem 1.-2. Semester kann sie souverän: Grundlagen HCI, Usability-Begriff, ein bisschen Statistik (was ihr hier prompt in die Quere kommt, siehe Fehler 2).

2. FEHLER-TABELLE: Diese drei fachlichen Fehler sind gesetzt — lege die Korrektur-Momente im Detail fest (Fehler | Woche des Auftretens | Korrektur-Moment | Woche der Korrektur):

   a) Woche 3: Leitfaden v1 besteht überwiegend aus geschlossenen Ja/Nein-Fragen ("Finden Sie die App umständlich?") plus mindestens einer Suggestivfrage. Korrektur um Woche 10, nach einem Probeinterview, das nach wenigen Minuten tot ist, und der PDL-Rückmeldung zum Leitfaden.
   b) Woche 4-5: Lena quantifiziert qualitative Aussagen ("3 von 4 sagen X, also ist X das Hauptproblem") und behandelt n=4 wie eine Stichprobe. Korrektur um Woche 12 in der Auswertung: Frau B.s EINE Aussage über das Dokumentieren zur Absicherung trägt mehr als jede Zählung.
   c) Woche 5: Feldnotizen vermischen Beobachtung und Deutung ("Herr T. ist genervt von der App" statt "Herr T. tippt, bricht ab, steckt das Handy weg und holt den Zettel raus"). Dieser Fehler wird NICHT vollständig korrigiert: Lena bemerkt ihn in Woche 13 beim Kodieren, schafft die saubere Trennung aber nur teilweise nach und schreibt das auch so hin.

   Definiere zusätzlich zwei Wissenslücken, die einfach bleiben (z. B. Gütekriterien qualitativer Forschung nur halb verstanden; Transkriptionsregeln nie richtig gelernt — sie transkribiert "irgendwie einheitlich").

Gib mir Chronologie und Tabelle. Warte auf meine Freigabe.

=== PHASE 2: DER SEMESTERPLAN ===

Erstelle eine Wochen-Übersicht über alle 13 Einträge (15 Wochen, Kurzeinträge in 8, 9 und 11):

- Pro Woche 1-2 Sätze: was passiert, was der Eintrag enthält
- Dramaturgischer Bogen: naive Anfangsphase mit der Schäm-Formulierung aus den Vorgaben; Rückschläge (die skeptische PDL als bürokratische Hürde; mindestens ein geplatzter Termin — Dienstplan oder Krankheitswelle; ein Interview, das wenig bringt, vermutlich Frau R., die nur Leitungssicht liefert); der Wendepunkt mit Frau B.s Zettel und ihrem Satz; Reifung; Abschlussreflexion mit Endbefund und beiden Gestaltungsimplikationen
- Woche 8 und 9 (Weihnachtsferien): sehr kurz. Eine der beiden Wochen nutzt den Corsa oder den Getränkemarkt als Ausrede, die andere ist einfach nur still ("nichts passiert, Notizen liegen lassen"), mit leicht schlechtem Gewissen.
- Woche 11 (Projektabgaben): Kurzeintrag, lustlos, ein Satz Selbstermahnung.
- Ein bis zwei zusätzliche Einträge mittlerer Qualität — nicht jeder normale Eintrag ist gut
- Genau eine deklarierte KI-Nutzung: Transkription eines Interviews, mit kleiner Enttäuschung (die Software macht aus Pflege-Kürzeln und Dialekt Unsinn, Lena korrigiert eine Stunde nach)

Warte auf meine Freigabe.

=== PHASE 3: DIE EINTRÄGE ===

Schreibe die Einträge in Blöcken von je 3-4 Wochen (nicht alle auf einmal — ich gebe jeden Block frei, damit Ton und Kontinuität stimmen).

Stilregeln:

- Ich-Perspektive, Alltagssprache mit wachsendem Fachanteil gemäß der Vorlesungs-Chronologie aus Phase 1
- Stil-Drift: anfangs mehr Füllwörter, vage Formulierungen ("irgendwie", "ich glaube", "eigentlich wollte ich..."), zum Ende präziser — aber graduell, kein Sprung
- Jeder Eintrag enthält mindestens eines: eine offene Frage, einen Frust, eine falsche Vermutung, einen Selbstzweifel. Kein Eintrag liest sich wie eine Zusammenfassung oder ein Bericht.
- Einträge beginnen unterschiedlich: mitten im Geschehen, mit einem Zitat aus dem Feld, mit einer Frage, mit einem Ärgernis. Nie zweimal hintereinander mit demselben Muster, nie mit "In dieser Woche habe ich".
- Pro Eintrag 1-2 Flüchtigkeitsfehler (Tippfehler, fehlendes Komma, ein umgangssprachlicher Kasusfehler). Keine perfekte Orthographie.
- Konkretion schlägt Abstraktion: anonymisierte Namen (Frau B., Herr T.), Uhrzeiten, der Pausenraum, der Parkplatz, Wetter, Gegenstände (der gefaltete Zettel, das klingelnde Diensthandy, Handschuhe, der Kaffeeautomat). Ein echtes Semester besteht aus Details, kein erfundenes Konzept aus Begriffen.
- Zahlen bleiben klein und krumm: Aufnahmen sind 17, 24, 31 und 38 Minuten statt der geplanten 30-45; ein Termin platzt; eine Aufnahme ist zu leise, weil das Handy auf der Fensterbank lag.
- Pflege-Realität sparsam, aber richtig: Touren, Dienstplan, Übergabe, MD-Prüfung (Lena schreibt anfangs fälschlich "MDK", jemand korrigiert sie irgendwann nebenbei), Kürzel in der Doku. Keine Klienten-Details — Lena war nie dabei, sie kennt das Feld nur aus Pausenraum und Erzählung. Das ist selbst ein Befund, den sie einmal reflektiert: Sie erforscht eine Arbeit, die sie nie gesehen hat.

Verbotene Muster (sie verraten maschinellen Text):
- keine Dreier-Aufzählungen als rhetorische Figur
- keine "Nicht A, sondern B"-Konstruktionen
- keine rhetorischen Fragen mit sofortiger Selbstbeantwortung
- keine symmetrischen Schluss-Sätze, die den Eintrag "rund" machen — echte Wocheneinträge hören einfach auf
- keine Meta-Sätze über das eigene Lernen im Vokabular der Aufgabenstellung ("mein Erkenntnisprozess", "meine methodische Reifung") — die Reifung wird gezeigt, nie benannt
- die Wörter "spannend", "interessant", "wertvoll" zusammen maximal dreimal im gesamten Portfolio

Das Ergebnis: Persona und Semesterplan

## Phase 1: Persona-Vervollständigung

### 1. Vorlesungs-Chronologie (Modul „Nutzerforschung und Kontextanalyse")

Ein Begriff darf in Lenas Einträgen frühestens in seiner Lehrwoche auftauchen. Vorher umschreibt sie ihn laienhaft (Beispiele in Klammern).

| Woche | Vorlesungsinhalt | Freigegebene Begriffe | Vorher sagt Lena |
|---|---|---|---|
| 1 | Einführung: qualitative vs. quantitative Nutzerforschung, Forschungsfrage, Kontextbegriff | „qualitativ", „Forschungsfrage" | — |
| 2 | Feldzugang & Forschungsethik: Gatekeeper, Einwilligung, Anonymisierung | „Feldzugang", „Einwilligungserklärung", „anonymisieren" | „die Chefin fragen, ob ich darf" |
| 3 | Das qualitative Interview: Formen, Leitfadenaufbau | „halbstrukturiert", „Leitfaden" | „lockeres Interview mit Fragen als Gerüst" |
| 4 | Frageformen: offen/geschlossen, Suggestivfragen, Nachfragen | „offene Frage", „Suggestivfrage" | (kommt für Leitfaden v1 eine Woche zu spät — Lena gleicht nicht ab) |
| 5 | Beobachtung & Feldnotizen: Trennung Beobachtung/Deutung | „Feldnotizen", „teilnehmende Beobachtung" | „mitschreiben, was passiert" |
| 6 | Aufzeichnung & Transkription (Transkriptionssysteme nur gestreift) | „Transkript", „transkribieren" | „das Gespräch abtippen" |
| 7 | Interviewführung: Interviewereffekte, soziale Erwünschtheit | „Interviewereffekte", „soziale Erwünschtheit" | „vielleicht sagen die mir nur, was ich hören will??" |
| 8–9 | Weihnachtsferien | — | — |
| 10 | Übungssitzung: Probeinterviews, Leitfaden-Revision | „Probeinterview", „Pretest" | „Testlauf" |
| 11 | Auswertung I: induktive Kategorienbildung (Mayring), Kodieren | „induktive Kategorienbildung", „kodieren", „Kategorie" | „Aussagen sortieren" |
| 12 | Auswertung II: thematische Analyse (Braun & Clarke), theoretische Sättigung, Fallzahl-Logik („n=4 ist keine Stichprobe") | „theoretische Sättigung", „Fallauswahl" | „ich hab halt nur 4 Leute" |
| 13 | Gütekriterien qualitativer Forschung, Reflexivität | „intersubjektive Nachvollziehbarkeit", „Reflexivität" | — |
| 14 | Ergebnisdarstellung, Gestaltungsimplikationen | „Gestaltungsimplikation" | „was man an der App ändern müsste" |

Aus Semester 1–2 souverän: Usability, Effektivität/Effizienz/Zufriedenheit, Nielsen-Heuristiken, deskriptive Statistik (Mittelwert, Stichprobe, Signifikanz — Letzteres wird ihr in Fehler b zum Verhängnis: der Statistik-Reflex, zählen zu wollen).

### 2. Fehler-Tabelle

| Fehler | Woche des Auftretens | Korrektur-Moment | Woche der Korrektur |
|---|---|---|---|
| **a) Leitfaden v1: geschlossene Ja/Nein-Fragen + Suggestivfrage** („Finden Sie die App umständlich?", „Die vielen Pflichtfelder nerven doch sicher, oder?") — an einem Abend geschrieben, Lena ist stolz drauf | 3 | Zweistufig. **Stufe 1 (W6):** PDL-Rückmeldung zum vorab verlangten Leitfaden, ein trockener Satz am Telefon: „Das beantworten Ihnen meine Leute alles mit Ja oder Nein, dann sind Sie nach fünf Minuten fertig." Lena reagiert defensiv, ändert nur zwei Fragen kosmetisch. **Stufe 2 (W10):** Probeinterview mit Mitbewohner Jonas ist nach ~6 Minuten tot — er antwortet exakt so, wie die PDL es vorhergesagt hat. Erst jetzt fällt der Groschen; v2 entsteht mit Erzählaufforderungen („Erzählen Sie mal von Ihrer letzten Tour — wann haben Sie da was dokumentiert?") | 10 |
| **b) Quantifizierung qualitativer Aussagen** („3 von 4 sagen, die Pflichtfelder sind das Problem → Hauptbefund") — der Statistik-Reflex aus Semester 2; behandelt n=4 wie eine Stichprobe, überlegt zwischenzeitlich sogar, ob 4 „signifikant" sein kann | 4–5 | Beim Kodieren: Frau B.s **eine** Aussage („Ich dokumentiere, damit uns keiner was kann") erklärt Dinge, die keine Zählung erklärt — den Zettel, das abendliche Übertragen, das Schweigen von Frau J. Die Vorlesung derselben Woche (Fallzahl-Logik, Sättigung) liefert das Vokabular nach. Lena streicht die „3 von 4"-Passagen und schreibt hin, warum | 12 |
| **c) Feldnotizen vermischen Beobachtung und Deutung** („Herr T. ist genervt von der App" statt „tippt, bricht ab, steckt das Handy weg, holt den Zettel raus") | 5 | **Nur Teilkorrektur.** Beim Kodieren der alten Notizen kann Lena nicht mehr rekonstruieren, was Herr T. tatsächlich getan hat und was sie hineingelesen hat. Sie annotiert nachträglich mit „[Deutung?]", schafft die saubere Trennung aber nur bei etwa der Hälfte der Stellen — und schreibt genau das in den Eintrag: dass die Daten an diesen Stellen für sie verloren sind | 13 (unvollständig) |

### 3. Bleibende Wissenslücken

**Transkriptionsregeln.** In W6 nur gestreift, nie nachgearbeitet. Lena transkribiert „irgendwie einheitlich": Pausen mal mit „...", mal mit „(Pause)", Dialekt mal geglättet, mal wörtlich. Fällt ihr beim zweiten Transkript selbst auf, sie zieht es trotzdem durch („jetzt mach ichs halt konsequent inkonsequent"). Wird nie sauber aufgelöst.

**Gütekriterien.** Lena versucht in W13, Objektivität/Reliabilität/Validität aus der Statistik-Vorlesung 1:1 auf ihre Studie zu übertragen, merkt, dass es nicht aufgeht („Reliabilität — soll ich Frau B. nochmal dasselbe fragen??"), und lässt es unaufgelöst stehen. „Intersubjektive Nachvollziehbarkeit" benutzt sie einmal, erkennbar unsicher.


## Phase 2: Semesterplan (13 Einträge, Woche 1–13)

Lesart: 13 Einträge = Woche 1–13, danach Abgabe (deckt sich mit dem letzten Eintrag in W13). Anmerkung zur Chronologie aus Phase 1: „Gestaltungsimplikationen" darf Lena in W13 trotzdem verwenden — der Begriff steht in der Aufgabenstellung, die sie zitiert.

| W | Eintrag |
|---|---|
| **1** | Idee entsteht dienstags bei der Oma: Frau B. tippt an der Tür ins Diensthandy. Lena notiert begeistert die naive Forschungsfrage („warum die Pflegekräfte die App nicht richtig bedienen können") und plant viel zu viel. |
| **2** | Feldzugang: Frau B. angesprochen, die verweist an die PDL. Erster Anruf ernüchternd — Datenschutz, Zeitdruck, „schicken Sie mir was Schriftliches". Frust, erste Zweifel am eigenen Auftreten. |
| **3** | Leitfaden v1 an einem Abend, Lena ist stolz (Fehler a entsteht, unbemerkt). Geht mit Anschreiben an die PDL. Absurd optimistischer Zeitplan: alle vier Interviews bis Woche 6. |
| **4** | *(mittlere Qualität)* Warten auf die PDL, wenig passiert. Kurzes Türgespräch mit Frau B. bei der Oma; Lena zählt bereits Aussagen und deutet zu früh (Fehler b beginnt). Füllig, vage. |
| **5** | Erster Besuch: PDL-Termin mit Auflagen (nicht auf Touren, nicht zu Klienten, Leitfaden-Freigabe ausstehend). Beobachtung der Übergabe im Pausenraum — Feldnotizen vermischen Beobachtung und Deutung (Fehler c, Herr-T.-Szene). Lena schreibt „MDK". |
| **6** | *(mittlere Qualität)* PDL-Rückmeldung zum Leitfaden („beantworten Ihnen meine Leute alles mit Ja oder Nein") — Lena reagiert defensiv, ändert zwei Fragen kosmetisch. Zweite Pausenraum-Beobachtung: der gefaltete Zettel in Frau B.s Kitteltasche fällt ihr zum ersten Mal auf, sie hält ihn für eine Eselsbrücke. |
| **7** | **Wendepunkt.** Frau B. überträgt abends den Zettel in CuraDok, beiläufig fällt der Satz: „Ich dokumentiere doch nicht für die Pflege. Ich dokumentiere, damit uns keiner was kann." Lena ist elektrisiert, deutet sofort zu groß — und zweifelt gleichzeitig (frisch aus der Vorlesung): Hat Frau B. das nur gesagt, weil sie dabeisaß? |
| **8** | *(Kurzeintrag, Ferien)* Der Corsa springt bei −6° nicht an, Inventur im Getränkemarkt — nichts gemacht, Ausrede vorgeschoben. |
| **9** | *(Kurzeintrag, Ferien)* Still. Notizen liegen gelassen, leicht schlechtes Gewissen, kein Vorsatz formuliert. |
| **10** | Probeinterview mit Mitbewohner Jonas stirbt nach 6 Minuten — exakt wie die PDL es vorhergesagt hat. Leitfaden v2 mit Erzählaufforderungen (Korrektur a). Freigabe der PDL; Terminplanung über Frau R., die sie nebenbei korrigiert („heißt seit Jahren MD"). Noch am Freitag: Interview Frau R., 38 Min., interviewt sich fast selbst — Leitungssicht, wenig brauchbar. |
| **11** | *(Kurzeintrag, Projektabgaben)* Lustlos. Termin mit Frau B. geplatzt (Krankheitswelle, Dienstplan umgeworfen). Ein Satz Selbstermahnung. |
| **12** | Interview-Marathon: Herr T. auf dem Parkplatz (24 Min., zwischen zwei Touren), Frau J. im Pausenraum (17 Min., Diensthandy klingelt), Frau B. nachgeholt (31 Min., Aufnahme zu leise — Handy lag auf der Fensterbank). **Deklarierte KI-Nutzung:** Transkription von Frau R.s Aufnahme — Software macht aus Kürzeln und Dialekt Unsinn, eine Stunde Nachkorrektur. Beim ersten Kodieren kollabiert das Zählen: Frau B.s einer Satz trägt mehr als jedes „3 von 4" (Korrektur b). |
| **13** | Abschluss. Beim Kodieren der Feldnotizen scheitert die saubere Trennung Beobachtung/Deutung teilweise — Lena schreibt das offen hin (Teilkorrektur c). Gütekriterien-Verwirrung bleibt stehen. Endbefund: nicht Bedienkompetenz — die App bildet den Arbeitsfluss nicht ab und dient der Absicherung; der Zettel ist das bessere Interface. Beide Gestaltungsimplikationen. Sie zitiert ihre Formulierung aus W1 und schämt sich. Und die Einsicht: Sie hat eine Arbeit erforscht, die sie nie gesehen hat. |

Dramaturgie-Check: Schäm-Formulierung W1 → Selbstzitat W13 ✓ · skeptische PDL als Hürde (W2, 5, 6) ✓ · geplatzter Termin (W11) ✓ · unergiebiges Interview Frau R. (W10) ✓ · Wendepunkt W7 ✓ · genau eine KI-Nutzung (W12) ✓ · mittlere Einträge W4 + W6 ✓ · krumme Zahlen: 17/24/31/38 Min., 6-Minuten-Probeinterview, −6° ✓

Das Ergebnis: Die 13 Wocheneinträge

# Portfolio: Qualitative Nutzerstudie zur digitalen Pflegedokumentation („CuraDok")

**Modul:** Nutzerforschung und Kontextanalyse
**Studiengang:** B.Sc. Medieninformatik, 3. Semester
**Verfasserin:** Lena M.
## Woche 1

Frau B. stand am Dienstag wieder bei Oma im Flur, Jacke schon halb an, und hat mit dem Daumen in ihr Diensthandy getippt. Zwischendurch hat sie zweimal geseufzt und einmal leise „das Ding" gesagt. Ich saß am Küchentisch über Omas Kreuzworträtsel und hab irgendwann nur noch zugeguckt. Auf der Heimfahrt im Corsa (der neuerdings beim Kaltstart so ein Röcheln macht, das kann ja heiter werden im Winter) war mir klar: Das ist mein Thema.

Die Pflegekräfte von Omas Pflegedienst haben nämlich seit einer Weile diese Doku-App auf den Diensthandys, CuraDok heißt die glaub ich. Und offensichtlich nervt sie. Meine Forschungsfrage hab ich mir abends direkt notiert: Ich will herausfinden, warum die Pflegekräfte die App nicht richtig bedienen können. Das passt auch gut zur Aufgabenstellung, weil Pflege für mich definitiv eine fremde Nutzergruppe ist — ich war zwar schon oft dabei wenn jemand vom Dienst bei Oma war, aber was die eigentlich den ganzen Tag machen, davon hab ich ehrlich keine Ahnung. Zählt das trotzdem als fremd? Muss ich in der Übung mal fragen.

In der Vorlesung gings diese Woche um den Unterschied qualitativ/quantitativ. Ich bin ja eigentlich eher der Zahlen-Typ, Statistik fand ich letztes Semester okay. Aber Frau B.s Seufzer kriegt man in keine Tabelle, und genau darum geht es ja anscheinend.

Plan: Ich frage Frau B. nächsten Dienstag, ob ich mit ihr und ein paar Kolleginnen Interviews machen kann. Vier oder fünf Leute, vielleicht darf ich sogar mal auf einer Tour mitfahren, das wäre natürlich das Beste. Wenn alles klappt bin ich mit den Interviews bis Anfang Dezember durch und kann in den Ferien in Ruhe auswerten. Klingt machbar.

Einziger Haken: Ich weiß noch überhaupt nicht, wie man sowas richtig fragt. Aber dafür ist ja das Semester da. Ich bin ziemlich aufgedreht, ich hab Jonas beim Abendessen so lange davon erzählt, bis er mit seinem Teller ins Zimmer ist.
## Woche 2

„Schicken Sie mir erstmal was Schriftliches." Das war so ziemlich der einzige ganze Satz, den ich aus dem Telefonat mitgenommen hab.

Von vorn: Dienstag hab ich Frau B. bei Oma abgepasst und gefragt, ob ich sie und Kolleginnen zur App interviewen darf. Sie war nett, fast ein bisschen gerührt glaube ich, aber sie meinte, das entscheidet nicht sie, da muss ich „bei unserer PDL" anrufen. Ich hab zuhause erstmal gegoogelt was PDL überhaupt heißt (Pflegedienstleitung).

Donnerstag dann der Anruf. Ich hatte mir sogar Stichpunkte gemacht und hab trotzdem geklungen wie ein Callcenter. Die PDL war nicht unfreundlich, aber sehr kurz angebunden. Wegen dem Datenschutz sei das alles schwierig, das Team sei „auf Kante genäht", zwei Kolleginnen krank — und dann die Fragen an mich: was ich genau vorhätte, wer das nachher liest, ob Klientendaten vorkommen, ob das die Touren aufhält. Ich hab gestammelt. Dann eben der Satz mit dem Schriftlichen, und aufgelegt hat sie auch ziemlich schnell.

In der Vorlesung ging es diese Woche ausgerechnet um Feldzugang und Gatekeeper. Ich saß da und dachte: ah ja, ich hab also einen Gatekeeper, und der hat mich Donnerstag ganz schön auflaufen lassen. Beruhigt hat mich, dass es hieß, Feldzugang dauert oft Wochen und läuft über Vertrauenspersonen. Frau B. wäre dann meine Vertrauensperson. Hoffentlich weiß sie das auch.

Außerdem gings um Einwilligungserklärungen. Ich brauche also von allen eine Unterschrift, anonymisieren sowieso. Ich frag mich die ganze Zeit, wie ich das den Pflegekräften erklären soll, ohne dass es nach Amtsdeutsch klingt. „Sie können jederzeit widerrufen" — wer redet denn so.

Samstag im Getränkemarkt hab ich beim Leergut-Sortieren im Kopf Formulierungen fürs Anschreiben durchprobiert. Herr M. hat gefragt ob ich krank bin, weil ich so vor mich hin gemurmelt hab.

Kleiner Selbstzweifel am Rande: Vielleicht hätte ich am Telefon nicht sagen sollen, dass das „nur für ein Uni-Portfolio" ist. Nur. Warum mach ich mich eigentlich selber klein.
## Woche 3

Kurz vor Mitternacht, ich hab gerade auf Senden gedrückt. Der Leitfaden ist fertig! Version 1, vierzehn Fragen, heute Abend in einem Rutsch runtergeschrieben. Ich bin ehrlich zufrieden.

In der Vorlesung kam diese Woche endlich das Handwerkszeug: Interviewformen und wie ein Leitfaden aufgebaut ist. Unser Interview soll halbstrukturiert sein — so hab ichs auch gemacht, alle vierzehn Fragen in einer festen, logischen Reihenfolge, von allgemein nach speziell. Erst zur Person (wie lange dabei, welche Ausbildung), dann zur App. Ein paar Beispiele:

- Nutzen Sie CuraDok täglich?
- Finden Sie die App umständlich?
- Kommen Sie mit der Bedienung insgesamt gut zurecht?
- Die vielen Pflichtfelder nerven doch sicher, oder?

Bei der letzten bin ich besonders zufrieden, die bringt mich direkt zu meinem Thema. Wenn die Interviews gut laufen bin ich in 20 Minuten durch alle vierzehn durch, dann bleibt sogar Puffer.

Jonas hab ich den Leitfaden vorgelesen, er meinte nur „klingt wie so ein Quiz". Danke auch. Der studiert BWL, der füllt sowas wahrscheinlich gerne aus. Ayla fand die Fragen gut, aber die sagt zu allem dass es gut ist.

Zeitplan: Anschreiben plus Leitfaden sind jetzt bei der PDL. Wenn sie diese Woche antwortet, mache ich die Interviews in Woche 5 und 6, alle vier, dann hab ich vor den Ferien alles im Kasten und kann in den Ferien transkribieren und auswerten. Sportlich, aber machbar.

Einen Moment von Zweifel schreib ich der Vollständigkeit halber auf: Als ich die vierzehn Fragen nochmal durchgelesen hab, kamen sie mir plötzlich ziemlich kurz vor. Also, die möglichen Antworten. Aber vieleicht lenken knappe Fragen den Blick aufs Wesentliche, und nachfragen kann ich ja immer noch.

Aufnahmegerät fehlt noch. Wird wohl einfach mein Handy, muss nur vorher testen wie das klingt.
## Woche 4

Immer noch keine Antwort von der PDL. Ich will nicht schon wieder anrufen und nerven, aber langsam wirds echt Zeit, mein schöner Zeitplan von letzter Woche wackelt jetzt schon.

Das einzige was diese Woche wirklich passiert ist: Dienstag war ich bei Oma, und Frau B. hatte am Ende zehn Minuten, wir haben an der Tür geredet. Ich hab mir danach im Auto alles aufgeschrieben, was ich noch zusammenbekommen hab. Sie hat zweimal was über die Pflichtfelder gesagt (dass man ohne die nicht speichern kann und dass die „oft gar nicht passen"), einmal was über fehlendes Netz im Keller von irgendeinem Haus, und einmal irgendwas davon, dass sie „hinterher eh nochmal alles einträgt". Den letzten Punkt hab ich nicht ganz verstanden, ich glaube das ging um Sonderfälle.

Jedenfalls: Pflichtfelder kamen zweimal vor, alles andere nur einmal. Das ist für mich schon ein ziemlich klares Signal, dass die Pflichtfelder das Hauptproblem sind. Passt auch gut zu meiner These mit der komplizierten Bedienung, insofern fühl ich mich eigentlich bestätigt. Zwei von vier Aussagen, das ist immerhin die Hälfte.

In der Vorlesung gings um Frageformen, offene und geschlossene Fragen, Suggestivfragen und sowas. Fand ich ganz interessant, aber für mich grade nicht so dringend — mein Leitfaden ist ja zum Glück schon fertig und liegt bei der PDL. Ich will da jetzt auch nicht wieder dran rumbauen, sonst werd ich nie fertig.

Samstag Getränkemarkt, danach war ich zu müde für irgendwas. Der Corsa braucht morgens jetzt zwei Anläufe, ich sag Papa Bescheid wenn ich an Weihnachten zuhause bin.

Was mach ich eigentlich, wenn die PDL gar nicht antwortet? Frau B. nochmal fragen ist irgendwie doof, die hat das ja schon weitergegeben. Vielleicht Montag doch anrufen.
## Woche 5

Der Pausenraum riecht nach Kaffee und Desinfektionsmittel, das ist mein wichtigstes Forschungsergebnis diese Woche. Aber von vorn.

Dienstag hatte ich endlich meinen Termin bei der PDL. Kleines Büro, volle Aktenordner bis unter die Decke, sie hatte zwanzig Minuten und hat davon bestimmt fünf telefoniert. Ergebnis: Ich darf kommen, aber. Keine Interviews während der Touren. Mitfahren kann ich „komplett vergessen", zu Klienten sowieso — Datenschutz, Versicherung, „und die Leute daheim sind keine Ausstellung". Interviews nur im Pausenraum, wenn grade Luft ist, und den Leitfaden schaut sie sich noch an, vorher läuft nichts. Ich hab brav genickt und war auf der Heimfahrt ehrlich ein bisschen geknickt. Mein Plan mit dem Mitfahren war offenbar naiv, dabei fand ich den so gut.

Immerhin: Ich durfte danach bei der Übergabe dabeisitzen. Halb zwei, Frühdienst an Spätdienst, fünf Leute um den Tisch, ich mit meinem Block in der Ecke. Verstanden hab ich vielleicht die Hälfte — die reden in Kürzeln, RR und AZ und sowas, und an dem Whitebord hängen Abkürzungen die ich alle googeln musste. Einmal ging es um eine Prüfung die wohl bald ansteht, MDK-Prüfung glaube ich, da wurden alle kurz still.

Ein Moment ist mir hängengeblieben: Herr T. (der Jüngere, kam wohl mal aus der Logistik) war total genervt von der App. Hab ich genau so notiert. Er hat beim Reden am Diensthandy rumgetippt und es dann irgendwann weggelegt und stattdessen was auf Papier geschrieben. Passt zu meiner These, die Bedienung nervt sogar die Jungen.

In der Vorlesung gings diese Woche passenderweise um Beobachtung und Feldnotizen. War das im Pausenraum eigentlich schon teilnehmende Beobachtung? Ich saß ja nur rum. Es kam auch was dazu, dass man Beobachtung und Deutung trennen soll, aber da mach ich mir bei mir wenig Sorgen, meine Notizen sind eigentlich ziemlich sachlich.

Offen bleibt: Wann gibt die PDL den Leitfaden frei? Und wie soll ein Interview im Pausenraum funktionieren wenn da alle zwanzig Minuten jemand reinkommt und den Kaffeeautomaten anwirft? Das Ding ist lauter als der Corsa.
## Woche 6

Die PDL hat angerufen. Zum Leitfaden hatte sie genau einen Satz: „Das beantworten Ihnen meine Leute alles mit Ja oder Nein, dann sind Sie nach fünf Minuten fertig."

Ich ärger mich immer noch. Erstens hat sie den Leitfaden ja wohl kaum richtig gelesen, zweitens kann man eine Ja/Nein-Frage mündlich total ausführlich beantworten, wenn man will. Trotzdem hab ich zwei Fragen umgebaut, aus „Finden Sie die App umständlich?" ist jetzt „Was finden Sie an der App umständlich?" geworden. Damit müsste das Thema durch sein. Freigegeben hat sie ihn dann übrigens trotzdem noch nicht, sie „kommt die Woche nicht dazu".

Donnerstag war ich wieder bei der Übergabe. Diesmal weniger Neues, ehrlich gesagt, vieleicht nutzt sich das auch ab. Eine Sache hab ich notiert: Frau B. hat einen gefalteten Zettel aus der Kitteltasche geholt und beim Erzählen immer wieder draufgeschaut. Kariert, ziemlich vollgeschrieben, winzige Schrift. Ich tippe auf sowas wie eine Eselsbrücke, für die neuen Klienten vermutlich. Süß irgendwie, so analog.

In der Vorlesung gings um Aufnahme und Transkription. Der Aufnahme-Teil war nützlich (Handy vorher testen, Einverständnis VOR dem Startknopf einholen). Beim Transkriptions-Teil kamen dann lauter Regelsysteme mit Abkürzungen, GAT irgendwas, und ich bin ehrlich: da bin ich ausgestiegen. Ich hoffe für vier Interviews reicht es, wenn ich einfach sauber abtippe was gesagt wird.

Zeitplan-Beerdigung: Interviews vor den Ferien werden nichts mehr, das kann ich mir jetzt eingestehen. Ohne Freigabe keine Termine, und in zwei Wochen sind Ferien. Mein schönes Dezember-Ziel aus Woche 3 ist damit exakt sechs Wochen alt geworden.

Samstag Getränkemarkt, Glühwein-Paletten. Es ist jetzt offiziell Winter, der Corsa sieht das genauso.
## Woche 7

„Ich dokumentiere doch nicht für die Pflege. Ich dokumentiere, damit uns keiner was kann."

Das hat Frau B. am Mittwoch gesagt, gegen fünf, im Pausenraum, und ich glaube, ich denke seitdem an nichts anderes mehr. Sie kam von der Nachmittagstour, hat sich einen Kaffee gezogen und dann diesen Zettel aus der Kitteltasche gefaltet — denselben wie letzte Woche, oder halt den von diesem Tag — und angefangen, alles davon in CuraDok einzutippen. Zeile für Zeile, bestimmt zehn Minuten. Ich hab irgendwann gefragt, warum sie das nicht gleich unterwegs in die App schreibt. Sie hat kurz gelacht: unterwegs gehe das nicht, mit Handschuhen schon gar nicht, und bei manchen Häusern gebe es eh kein Netz. Der Zettel sei schneller. Und dann, beim Weitertippen, ohne mich anzugucken, der Satz oben. Ich hab ihn mir sofort ins Handy geschrieben, Wort für Wort, glaube ich jedenfals.

Mir raucht der Kopf. Wenn das stimmt, dann ist das Problem überhaupt nicht die Bedienung. Dann ist die App im Grunde ein Kontrollinstrument und die Pflichtfelder sind Beweissicherung und der Zettel ist der eigentliche Arbeitsplatz. Vielleicht ist das die ganze Geschichte! Ich war auf der Heimfahrt so drin dass ich fast bei Rot über die Kreuzung am Baumarkt bin.

Jetzt, zwei Tage später, kommen die Zweifel, und zwar ausgerechnet wegen der Vorlesung. Diese Woche: Interviewereffekte und soziale Erwünschtheit. Also die Frage, was Leute nur sagen, weil jemand zuhört. Hat Frau B. das für mich gesagt? Andererseits — erwünscht wäre doch eher „die App ist toll" oder wenigstens Jammern über die Technik. „Damit uns keiner was kann" ist ja fast gefährlich ehrlich. Gilt der Effekt auch andersrum, dass jemand vor Publikum ehrlicher wird? Das stand nicht auf den Folien. Ich lass die Frage mal hier stehen.

Was mich zusätzlich wurmt: Auf dem Zettel stehen natürlich Klientendaten, den kann ich weder fotografieren noch abschreiben, das ist mir schon klar. Meine schönste Quelle und ich darf sie nicht mal anfassen.

Dienstag will ich Frau B. fragen ob sie mein erstes richtiges Interview macht. Falls die PDL bis dahin den Leitfaden freigibt. Falls.
## Woche 8 *(Kurzeintrag, Ferien)*

Minus sechs Grad, der Corsa ist Montag nicht angesprungen und Mittwoch wieder nicht, ich bin zweimal mit dem Bus zu Oma. Dazu Inventur im Getränkemarkt, drei volle Tage Kisten zählen. An die Notizen bin ich ehrlich gesagt nicht gegangen, dafür war einfach keine Luft. Zwischen den Jahren wird das eh nichts, sehen wir uns nicht an.
## Woche 9 *(Kurzeintrag, Ferien)*

Nichts passiert. Der Ordner mit den Notizen liegt unterm Schreibtisch und ich hab ihn diese Woche genau einmal angeguckt, von aussen. Zeit gehabt hätte ich diesmal, das ist der Unterschied zu letzter Woche. Naja.
## Woche 10

Das Probeinterview mit Jonas hat sechs Minuten gedauert. Sechs. Für vierzehn Fragen.

Ich wollte eigentlich nur die Aufnahmequalität vom Handy testen und dachte, Jonas als Versuchskaninchen schadet nicht. Er hat brav geantwortet: „Ja." — „Nö." — „Eigentlich schon." Sogar bei meiner Lieblingsfrage („Die vielen Pflichtfelder nerven doch sicher, oder?") kam nur „Joa". Nach sechs Minuten war ich durch und wir haben uns angeguckt und er meinte: „War das jetzt schon das Interview?" Ich hab an die PDL gedacht und ihren Satz von wegen nach fünf Minuten fertig, und mir wurde ein bisschen schlecht. Sie hatte einfach recht, seit Woche 6, und ich hab gedacht, sie hätte den Leitfaden nur nicht richtig gelesen. Sie hatte ihn genauer gelesen wie ich.

In der Übung ging es diese Woche zum Glück genau darum, Pretests und Überarbeitung. Ich hab v1 mitgebracht und wir haben ihn ziemlich zerlegt. Version 2 sieht komplett anders aus: sechs Erzählaufforderungen statt vierzehn Fragen, oben drüber die wichtigste — „Erzählen Sie mal von Ihrer letzten Tour. Wann haben Sie da was dokumentiert, und wie?" — und daneben nur noch Stichworte zum Nachhaken (Zettel? Netz? Handschuhe? abends?). Die Suggestivfrage ist raus. Tut ein bisschen weh, war ja meine Lieblingsfrage.

Und dann ging plötzlich alles schnell: v2 an die PDL geschickt, Antwort kam am selben Tag: „So kann man das machen. Einwilligungen vorher." Termine laufen über Frau R., die Teamleitung, die macht die Dienstpläne. Am Telefon hab ich was von der MDK-Prüfung gesagt und sie hat mich nebenbei korrigiert: „MD. Heißt schon lange nicht mehr MDK." Gut, dass das am Telefon passiert ist wo sie mein rotes Gesicht nicht sieht.

Freitag dann das erste richtige Interview — mit Frau R. selbst, Pausenraum, 38 Minuten, Aufnahme lief sauber, Einwilligung unterschrieben (meine erste!). Nur: Sie hat sich quasi selbst interviewt. Ich hab die Erzählaufforderung gestellt und sie hat 38 Minuten Leitungssicht geliefert — Dienstpläne, Einführungsschulung, „die App war überfällig", die Umstellung lief „im Großen und Ganzen". Auf meine Nachhak-Stichworte bin ich kaum gekommen, sie hat Fragen beantwortet die ich gar nicht gestellt hab. Übers eigene Dokumentieren kam fast nichts, sie fährt ja auch kaum noch Touren. Ein Satz ist mir trotzdem hängengeblieben: „Was nicht dokumentiert ist, können wir nicht abrechnen." Weiß noch nicht wohin damit.

Frage an mich: War das jetzt ein schlechtes Interview oder hab ich schlecht interviewt? Der neue Leitfaden kann ja nichts dafür dass Frau R. ein Radiosender ist. Oder doch. Vielleicht braucht es für sowas Unterbrechungstechniken, das stand nirgends.

Das erste Interview steht jedenfalls, auch wenn es anders lief wie geplant.
## Woche 11 *(Kurzeintrag, Projektabgaben)*

Drei Abgaben diese Woche, ich funktioniere nur noch. Der Termin mit Frau B. ist auch noch geplatzt — halbes Team krank, Dienstplan neu gewürfelt, Absage kam per SMS von Frau R. Transkribieren wollte ich eigentlich auch anfangen, hab ich nicht. Reiß dich zusammen Lena, das Semester ist in vier Wochen rum.
## Woche 12

Interview Nummer zwei fand auf einem Parkplatz statt. Herr T. hatte zwischen zwei Touren zwanzig Minuten, also saßen wir in seinem Dienstwagen, Motor an wegen der Heizung, mein Handy auf der Mittelkonsole. 24 Minuten sind es am Ende geworden. Er redet ganz anders als Frau R. — kurz, konkret, leicht sarkastisch. Bester Moment: der Vergleich mit seinem alten Job. In der Logistik habe der Scanner gepiept und fertig, hier müsse er „sieben Felder ausfüllen, während draußen einer wartet". Und als ich vorsichtig den Zettel erwähnt hab, hat er gegrinst und seinen eigenen aus der Jacke gezogen: „Zettel hat hier jeder. Fragen Sie mal rum."

Mittwoch dann Frau J., Pausenraum, und das war das kürzeste Interview: 17 Minuten, dann hat ihr Diensthandy geklingelt und sie musste los. Sie war sowieso vorsichtig, hat viel zur Tür geguckt und wenig Kritisches gesagt. Der wichtigste Satz kam ganz nebenbei: Sie macht das mit der Doku „so wie Frau B. mir das gezeigt hat" — erst Zettel, abends App. Die Neunzehnjährige lernt den Zettel als Teil der Ausbildung. Darüber muss ich noch nachdenken. Und darüber, dass ein Interview mit einer Azubi vieleicht selber wie eine Prüfung wirkt, egal wie nett ich gucke.

Donnerstag Frau B., nachgeholt, 31 Minuten. Der Tisch war voll mit Dienstplänen und Kaffeetassen, also lag mein Handy auf der Fensterbank. Zuhause dann der Schreck: Aufnahme viel zu leise, der Lüfter vom Kaffeeautomaten ist stellenweise lauter wie sie. Ich hab mit Kopfhörern transkribiert so gut es ging, das wird eher ein Gesprächsprotokoll als ein Transkript. Ärgerlich, ausgerechnet bei ihr. Inhaltlich hat sie mir ihre Tour einmal chronologisch durcherzählt, mit allem: wann der Zettel rauskommt (ständig), wann die App drankommt (abends), und einmal, achselzuckend: „Hauptsache es steht drin, wenn der MD kommt."

KI-Nutzung diese Woche, wie verlangt hiermit angegeben: Ich hab Frau R.s 38-Minuten-Aufnahme durch ein Transkriptionstool laufen lassen. Ergebnis war ernüchternd — aus „MD" hat es „Empty" gemacht, aus „SIS" „Sies", und aus einem Dialektausdruck von Frau R. einen komplett erfundenen Halbsatz. Ich hab gut eine Stunde nachkorrigiert. Die anderen tippe ich gleich selbst, dann bleibts wenigstens konsequent inkonsequent.

Abends hab ich mit dem Kodieren angefangen, induktive Kategorienbildung, so wie in der Vorlesung. Und dabei ist mir mein eigenes System um die Ohren geflogen. Ich hatte nämlich eine Strichliste: Pflichtfelder 4 Nennungen, Netz 3, Zettel 4, und wollte daraus das Hauptproblem küren. Dann hab ich gemerkt: Der Satz der wirklich alles erklärt — warum es den Zettel gibt, warum abends übertragen wird, warum Frau J. es so beigebracht kriegt, warum Frau R. sofort von Abrechnung redet — ist Frau B.s Satz aus Woche 7. Der fiel genau einmal. Nicht mal im Interview, im Pausenraum. In meiner Strichliste hat er eine Nennung und verliert gegen die Pflichtfelder. In der Vorlesung hieß es diese Woche, vier Fälle sind keine Stichprobe und Häufigkeit ist kein Beleg für Bedeutung. Mein Statistik-Ich aus dem zweiten Semester wollte unbedingt zählen. Die Strichliste kommt durchgestrichen in den Anhang, verworfene Sachen sollen ja rein.
## Woche 13

„Ich will herausfinden, warum die Pflegekräfte die App nicht richtig bedienen können." Das hab ich in Woche 1 geschrieben. Ich lass den Satz jetzt hier stehen und muss kurz woandershin gucken.

Die vier können die App bedienen. Frau J. tippt schneller als ich. Falsch war die Frage, und zwar von Anfang an, und sie kam aus meinem eigenen Kopf: Ich sitze seit drei Semestern in Vorlesungen über Interfaces, also hab ich ein Bedienproblem gesehen, bevor ich überhaupt hingeguckt hab. Was ich stattdessen gefunden hab: Die App passt an zwei Stellen nicht zur Arbeit. Sie funktioniert nicht dort, wo dokumentiert werden müsste — unterwegs, mit Handschuhen, in Häusern ohne Netz. Und sie dient einem anderen Zweck als dem, der draufsteht. Frau B. sagt „damit uns keiner was kann", Frau R. sagt „was nicht dokumentiert ist, können wir nicht abrechnen" — das ist von zwei Enden her derselbe Befund: Die Doku ist Absicherung und Abrechnung, Pflege unterstützt sie nicht. Der Zettel ist dann auch kein Zeichen von Überforderung. Der Zettel ist das bessere Interface: braucht kein Netz und lässt sich im Treppenhaus mit einer Hand bedienen.

Daraus meine zwei Gestaltungsimplikationen (das Wort leihe ich mir aus der Aufgabenstellung): Erstens muss die Erfassung tourenfähig sein, also offline und einhändig, im Idealfall mit Sprache. Solange das nicht geht gewinnt der Zettel, völlig zu Recht. Zweitens sollte die App den Zettel-Ablauf übernehmen statt ihn zu verbieten: eine schnelle, unsaubere Zwischennotiz jetzt, die ordentliche Doku abends. Das machen ja alle vier sowieso schon — nur eben gegen die App.

Beim Kodieren der Feldnotizen bin ich dann noch über mich selbst gestolpert. In Woche 5 steht da: „Herr T. ist total genervt von der App." Worauf sich das gestützt hat, steht nirgends. Ich weiß noch, dass er das Handy weggelegt und auf Papier geschrieben hat — aber „genervt"? Vielleicht hatte er es eilig. Ich bin alle Notizen durchgegangen und hab versucht, nachträglich Beobachtung [B] und Deutung [D] zu markieren. Bei ungefähr der Hälfte der Stellen kann ich es acht Wochen später schlicht nicht mehr auseinanderhalten. Die Stellen sind als Daten damit ehrlich gesagt verloren, Erinnerung ist keine Quelle. Das ärgert mich mehr als die leise Aufnahme, weil es vermeidbar war — die Vorlesung dazu kam in derselben Woche wie der Fehler.

Bei den Gütekriterien komme ich dagegen nicht mehr auf einen grünen Zweig. Ich hab versucht Objektivität, Reliabilität und Validität aus der Statistik auf meine Studie zu übertragen und es geht einfach nicht auf — soll ich Frau B. nochmal dasselbe fragen und gucken ob derselbe Satz fällt? Intersubjektive Nachvollziehbarkeit ist glaube ich das, was ich mit diesem Portfolio herstellen soll, ich hoffe ich benutze das Wort richtig.

Eine Sache noch, die eigentlich die ganze Zeit mitläuft: Ich habe eine Arbeit erforscht, die ich nie gesehen habe. Keine einzige Tour. Alles was ich weiß, weiß ich aus einem Pausenraum, einem Dienstwagen auf dem Parkplatz und von Omas Flur. Meine Studie hat ein Loch in der Mitte und ich kann es nicht mehr stopfen, nur benennen.

Abgabe ist Sonntag. Einwilligungen eingescannt, zwei Transkripte formatiert, Frau B.s leiser Mitschnitt bleibt ein Protokoll. Dienstag bin ich wieder bei Oma.

Der begleitete Schreibprozess

Der Gegencheck zu den Dialog- und Austauschformaten: fünf Versionen einer Hausarbeit über acht Wochen, dazu vier Mails an den Betreuer. Die Zeitstempel klumpen, die Dateinamen sind inkonsistent, eine Selbstnotiz überlebt bis Version vier.

Der Prompt

Du hilfst mir, den dokumentierten Schreibprozess einer Hausarbeit zu erzeugen: fünf Versionen desselben Dokuments plus vier Mails an den Betreuer. Bewertet wird nicht die fertige Arbeit, sondern die Glaubwürdigkeit des Weges dorthin.

Wir arbeiten in drei Phasen. Warte nach jeder Phase auf meine Freigabe.

=== DIE PERSONA ===

David, 24, B.Sc. Medieninformatik, 5. Semester. Seminar "Mensch-Technik-Interaktion im Gesundheitswesen", Prüfungsleistung: Hausarbeit (15 Seiten) mit begleitetem Schreibprozess — d. h. Zwischenstände und Betreuungskontakt sind Teil der Bewertung.

Thema (mit dem Betreuer vereinbart): "Workarounds in der digitalen Pflegedokumentation: Warum das Papier nicht verschwindet". Reine Literaturarbeit, kein Feldzugang.

Davids Eigenschaften, die sich im Schreibprozess zeigen:
- Deadline-getrieben: lange Pausen, dann Arbeits-Cluster. Die Zeitstempel der Versionen sind NICHT gleichmäßig verteilt.
- Anfangs zu breit: v1 will "Digitalisierung im Gesundheitswesen" insgesamt behandeln, der Betreuer stutzt das zurecht.
- Zitier-Unsicherheit: wechselt in frühen Versionen unbemerkt zwischen zwei Zitierstilen, vereinheitlicht erst spät.
- Er schreibt Notizen an sich selbst in GROSSBUCHSTABEN oder [eckigen Klammern] mitten in den Text und vergisst eine davon bis v4.

=== PHASE 1: DER VERSIONSPLAN ===

Erstelle einen Plan für 5 Versionen über ca. 8 Wochen. Für jede Version: Dateiname, Datum + Uhrzeit, ungefährer Umfang in Wörtern, und was sich strukturell ändert.

Verbindliche Regeln:

- Dateinamen entwickeln sich realistisch und inkonsistent, z. B.: hausarbeit_gliederung.docx → hausarbeit_v2.docx → Hausarbeit_MTI_neu.docx → hausarbeit_final.docx → hausarbeit_final_ABGABE.docx
- Zeitstempel klumpen: v1 früh im Semester, v2 erst 3 Wochen später, v3 und v4 nur wenige Tage auseinander, v5 kurz vor knapp (Abgabetag, später Vormittag). Mindestens ein Zeitstempel liegt nach 23 Uhr.
- Die Wortzahl ist NICHT monoton: v3 ist KÜRZER als v2, weil ein komplettes Kapitel rausfliegt.
- Konkret geplante Brüche:
  v1: Gliederungsentwurf mit Stichpunkten, halbe Seite Einleitung, zwei Kapitel nur als Überschrift mit "[...]", ein Kapitel zu viel ("Telemedizin"), das thematisch nicht trägt.
  v2: Rohtext für Einleitung und Kapitel 2, Kapitel 3 halb, Zitierstil gemischt (mal Fußnote, mal Autor-Jahr), drei [TODO: Quelle suchen]-Marker, das Telemedizin-Kapitel unverändert leer.
  v3: Der Umbau. Telemedizin-Kapitel gestrichen (nach Betreuer-Mail 2), Argumentation umgestellt: Workarounds nicht als Defizit der Nutzer, sondern als Diagnose des Systems — dieser Dreh kommt aus der Literatur, die David erst jetzt richtig gelesen hat. Wortzahl sinkt. Eine Passage aus v2 überlebt wörtlich, steht aber jetzt in einem anderen Kapitel.
  v4: Fast vollständig, Fazit fehlt noch, ein einsamer Notiz-Marker aus v2 steht immer noch drin ("[HIER NOCH BEISPIEL REIN]"), Zitierstil jetzt einheitlich bis auf zwei vergessene Fußnoten.
  v5: Final. Fazit da, Marker weg, aber: ein Rest-Tippfehler im Inhaltsverzeichnis und eine Literaturangabe, deren Jahreszahl von der im Text abweicht. Perfekt ist verdächtig.

Warte auf meine Freigabe.

=== PHASE 2: DIE BETREUUNGS-MAILS ===

Schreibe 4 Mails von David an den Betreuer (Prof. Dr. H.), zeitlich zwischen die Versionen gesetzt. Nur Davids Mails — die Antworten des Betreuers erscheinen indirekt, als Bezugnahme in der jeweils nächsten Mail oder Version ("wie Sie vorgeschlagen haben...").

Inhaltlicher Bogen:
- Mail 1 (vor v1): Themenvorschlag, viel zu breit formuliert, mit der Frage, ob "das Thema so okay ist". Unsichere Anrede — David schwankt zwischen "Sehr geehrter Herr Professor H." und startet die Mail einmal neu (sichtbar am etwas verunglückten ersten Satz).
- Mail 2 (nach v2): Die Anfängerfrage schlechthin, z. B. "Darf ich Sekundärzitate verwenden, wenn ich an das Original nicht rankomme?" plus die Frage, ob 12 Quellen reichen. Genau die Sorte Frage, die Souveränität nicht zeigt.
- Mail 3 (nach v3): Kurz und leicht panisch. David hat das Telemedizin-Kapitel gestrichen, jetzt hat er Angst, dass die Arbeit "zu dünn" ist. Bittet um einen kurzen Blick auf die neue Gliederung. Zeitstempel: Sonntag, nach 22 Uhr.
- Mail 4 (kurz vor Abgabe): Formalia-Frage (eidesstattliche Erklärung einbinden oder separat? PDF oder Word?) plus ein halber Satz Dank. Freitagnachmittag.

Stilregeln für die Mails: Betreffzeilen inkonsistent ("Hausarbeit", "Re: Hausarbeit", "kurze Frage Hausarbeit MTI"). Höflich, aber ungeübt-förmlich. Ein Tippfehler in zwei der vier Mails. Keine Mail länger als 120 Wörter.

Warte auf meine Freigabe.

=== PHASE 3: DIE VERSIONEN ===

Schreibe die Versionen einzeln, in der Reihenfolge v1 bis v5, jeweils nach meiner Freigabe. Halte dich exakt an den Plan aus Phase 1.

Stilregeln:
- Wissenschaftlicher Grundton eines guten, aber nicht brillanten 5.-Semester-Studenten. Gelegentlich eine zu saloppe Formulierung, die in späteren Versionen entschärft wird ("die App nervt die Pflegekräfte" → v4: "die Anwendung stößt auf Akzeptanzprobleme").
- Die Literaturbasis bleibt realistisch klein (12-15 Titel) und benennt reale, einschlägige Forschung zu Workarounds und Pflegedokumentation nur, wenn du ihrer Existenz sicher bist — im Zweifel Autor-Jahr-Angaben generisch halten. Keine erfundenen wörtlichen Zitate mit Seitenzahl.
- In v1-v2 stehen Davids Selbstnotizen im Text ([TODO], GROSSBUCHSTABEN).
- Der Erkenntnisfortschritt zwischen v2 und v3 muss inhaltlich sichtbar sein, nicht nur strukturell: v2 argumentiert noch "Pflegekräfte umgehen die App, weil Schulungen fehlen", v3 dreht auf "Workarounds zeigen, wo die App den Arbeitsablauf nicht abbildet". Die alte These verschwindet nicht spurlos — ein Halbsatz von ihr steht in v3 noch unmotiviert im Fazit-Entwurf herum und fliegt erst in v4 raus.

Verbotene Muster (in allen Versionen und Mails):
- keine Dreier-Aufzählungen als rhetorische Figur
- keine "Nicht A, sondern B"-Konstruktionen als Stilfigur (die inhaltliche Wende der Arbeit ist okay — aber nicht als wiederkehrende Satzschablone)
- keine rhetorischen Fragen mit sofortiger Selbstbeantwortung
- keine symmetrischen Schluss-Sätze
- Kapitelübergänge dürfen holpern; v5 ist gut, nicht glatt

Das Ergebnis: Versionsplan, vier Mails, fünf Versionen

# Phase 1 — der Versionsplan.

Vorab eine Setzung: Ich lege Davids Semester parallel zu Lenas — Wintersemester 2025/26, Abgabefrist der Hausarbeit **Freitag, 13. März 2026** (vorlesungsfreie Zeit, typischer Hausarbeiten-Zeitraum; und dass die Abgabe auf einen Freitag den 13. fällt, ist ein echtes Kalender-Detail, das sich kein Fälscher trauen würde zu erfinden).

## Versionsplan

| # | Dateiname | Zeitstempel | Umfang | Was passiert |
|---|---|---|---|---|
| v1 | `hausarbeit_gliederung.docx` | Di, 20.01.2026, 16:12 | ~650 Wörter | Gliederungsentwurf |
| v2 | `hausarbeit_v2.docx` | Mi, 11.02.2026, 23:47 | ~2.900 Wörter | Rohtext-Schub |
| v3 | `Hausarbeit_MTI_neu.docx` | Do, 05.03.2026, 21:30 | ~2.450 Wörter | Der Umbau — Wortzahl **sinkt** |
| v4 | `hausarbeit_final.docx` | So, 08.03.2026, 19:05 | ~4.300 Wörter | Fast fertig, Fazit fehlt |
| v5 | `hausarbeit_final_ABGABE.docx` | Fr, 13.03.2026, 11:20 | ~4.850 Wörter | Abgabefassung |

**Die Lücke zwischen v2 und v3 (drei Wochen)** ist beabsichtigt und wird durch Mail 2 und die Betreuer-Antwort erklärbar: David wartet, liest, schiebt auf.

## Strukturelle Änderungen im Detail

**v1 (20.01., 16:12)** — Arbeitstitel noch: *„Digitalisierung im Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen am Beispiel der Pflegedokumentation"* (zu breit, genau wie in Mail 1 angekündigt). Gliederung mit Stichpunkten: 1. Einleitung (halbe Seite ausformuliert), 2. Digitalisierung im Gesundheitswesen (Stichpunkte), 3. Digitale Pflegedokumentation (nur Überschrift + „[...]"), 4. Telemedizin (nur Überschrift + „[...]"), 5. Workarounds (Stichpunkte), 6. Fazit. Kapitel 4 trägt thematisch erkennbar nichts — es steht da, weil David beim Googeln darüber gestolpert ist.

**v2 (11.02., 23:47)** — Titel unverändert. Einleitung und Kapitel 2 als Rohtext, Kapitel 3 halb. These noch: *Pflegekräfte umgehen die App, weil Schulungen fehlen.* Zitierstil gemischt: Kapitel 2 mit Fußnoten, Kapitel 3 plötzlich Autor-Jahr. Drei Marker: `[TODO: Quelle suchen]` (2×), `STATISTIK ZU PFLEGEDOKU HIER REIN`. Telemedizin-Kapitel unverändert leer.

**v3 (05.03., 21:30)** — Der Erkenntnisknick, ausgelöst durch die (indirekte) Betreuer-Antwort auf Mail 2 plus die Literatur, die David jetzt wirklich gelesen hat. Neuer Titel: *„Workarounds in der digitalen Pflegedokumentation: Warum das Papier nicht verschwindet"*. Telemedizin-Kapitel komplett gestrichen. Argumentation gedreht: Workarounds als Diagnose des Systems, nicht als Defizit der Nutzer. Die Schulungs-These verschwindet aus dem Hauptteil — aber ein Halbsatz von ihr steht noch verwaist im Fazit-Entwurf („...wobei auch Schulungsdefizite eine Rolle spielen dürften") und passt erkennbar nicht mehr zur neuen Linie. Eine Passage aus v2 (zur Definition von Workarounds) überlebt wörtlich, wandert aber von Kapitel 3 in das neue Kapitel 2.

**v4 (08.03., 19:05)** — Fast vollständig. Fazit fehlt (Überschrift + zwei Stichpunkte). Der Marker `[HIER NOCH BEISPIEL REIN]` aus v2 steht immer noch in Kapitel 3 — David hat ihn dreimal überlesen. Zitierstil vereinheitlicht auf Autor-Jahr, bis auf zwei vergessene Fußnoten in Kapitel 2. Der verwaiste Schulungs-Halbsatz aus v3 ist jetzt raus. Die saloppe Formulierung „die App nervt die Pflegekräfte" aus v2 ist entschärft zu „die Anwendung stößt auf Akzeptanzprobleme".

**v5 (13.03., 11:20)** — Abgabefassung. Fazit ausformuliert, Marker weg, Fußnoten bereinigt. Zwei absichtliche Restfehler: Im Inhaltsverzeichnis steht „Wokarounds" (Tippfehler in der Überschrift von Kapitel 3, im Text selbst korrekt), und eine Literaturangabe weicht ab — im Text „(Müller 2021)", im Verzeichnis dieselbe Quelle mit 2022.

## Zeitliche Verortung der Mails (Vorgriff auf Phase 2)

| Mail | Datum | Bezug |
|---|---|---|
| 1 | Mo, 12.01., 14:30 | vor v1 — Themenvorschlag |
| 2 | Do, 12.02., 10:15 | Vormittag nach der v2-Nachtschicht — Sekundärzitate, „reichen 12 Quellen?" |
| 3 | So, 08.03., 22:40 | nach v4-Speicherstand, Panik: „zu dünn?" |
| 4 | Mi, 11.03., 15:50 | Formalia vor Abgabe |

Kleine Abweichung vom ursprünglichen Bogen, die ich begründen will: Mail 3 liegt jetzt *nach* v4 statt nach v3 — David streicht erst, arbeitet drei Tage weiter und bekommt dann abends am Sonntag die Angst, dass es zu dünn ist. Das ist psychologisch stimmiger als Panik unmittelbar nach dem mutigen Schnitt. Wenn du die Original-Reihenfolge willst, sag es.
**Mail 1**
*Mo, 12.01.2026, 14:30*
**Betreff: Hausarbeit**

Sehr geehrter Herr Professor H.,

ich schreibe Ihnen wegen, also ich wollte fragen, ob mein Thema für die Hausarbeit im MTI-Seminar so in Ordnung wäre. Mein Arbeitstitel: „Digitalisierung im Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen am Beispiel der Pflegedokumentation". Ich würde darin auf elektronische Patientenakten, digitale Pflegedokumentation und eventuell auch Telemedizin eingehen und die jeweiligen Vor- und Nachteile darstellen.

Ist das Thema so okay? Über eine kurze Rückmeldung würde ich mich sehr freuen, dann würde ich mit der Gliederung anfangen.

Mit freundlichen Grüßen
David M.
**Mail 2**
*Do, 12.02.2026, 10:15*
**Betreff: kurze Frage Hausarbeit MTI**

Sehr geehrter Herr Prof. H.,

ich bin jetzt mitten im Schreiben und hätte zwei Fragen. Erstens: Darf ich Sekundärzitate verwenden, wenn ich an das Original nicht rankomme? Bei einer Quelle wird ständig eine Studie von 1999 zitiert, die ich nirgends finde, auch nicht über die Bibliothek.

Zweitens wollte ich fragen ob 12 Quellen für 15 Seiten ausreichen, oder ob das zu wenig ist. Ich habe das Gefühl, die wichtigen Sachen zitieren sich alle gegenseitig.

Vielen Dank schonmal und viele Grüße
David M.
**Mail 3**
*So, 08.03.2026, 22:40*
**Betreff: Re: kurze Frage Hausarbeit MTI**

Sehr geehrter Herr Prof. H.,

ich habe, wie Sie vorgeschlagen haben, das Telemedizin-Kapitel gestrichen und die Arbeit auf die Workarounds zugespitzt. Inhaltlich fühlt es sich jetzt viel schlüssiger an, aber die Arbeit ist dadurch deutlich kürzer geworden und ich habe etwas Sorge, dass sie zu dünn wird.

Dürfte ich Ihnen die neue Gliederung schicken, damit Sie kurz drüberschauen? Es wäre nur eine Seite.

Entschuldigung für die späte Mail am Sonntag.

Viele Grüße
David M.
**Mail 4**
*Mi, 11.03.2026, 15:50*
**Betreff: Hausarbeit Abgabe**

Sehr geehrter Herr Prof. H.,

zwei kurze Fragen zur Abgabe am Freitag: Soll die eidesstattliche Erklärung mit ins Dokument oder als seperate Datei? Und reichen Sie PDF, oder brauchen Sie zusätzlich die Word-Datei?

Und danke nochmal für die Rückmeldung zur Gliederung, das hat mir sehr geholfen.

Viele Grüße
David M.
**v1 — `hausarbeit_gliederung.docx`** 
(Di, 20.01.2026, 16:12, ~650 Wörter)


**Digitalisierung im Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen am Beispiel der Pflegedokumentation**

Hausarbeit im Seminar „Mensch-Technik-Interaktion im Gesundheitswesen"
David M., B.Sc. Medieninformatik, 5. Semester

**Gliederung (Entwurf)**

1. Einleitung
2. Digitalisierung im Gesundheitswesen
3. Digitale Pflegedokumentation
4. Telemedizin
5. Workarounds in der Praxis
6. Fazit

---

**1. Einleitung**

Das Gesundheitswesen gilt als einer der Bereiche, in denen die Digitalisierung in Deutschland am langsamsten vorankommt. Während in anderen Branchen digitale Prozesse längst zum Alltag gehören, wird in vielen Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten noch immer mit Papier gearbeitet, obwohl digitale Systeme zur Verfügung stehen und teilweise sogar verpflichtend eingeführt wurden. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn die Vorteile digitaler Dokumentation liegen auf der Hand: Daten sind zentral verfügbar, lesbar und können für die Abrechnung direkt weiterverwendet werden.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Chancen und Herausforderungen die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit sich bringt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der digitalen Pflegedokumentation, da hier die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit besonders deutlich wird. Interessant ist vor allem das Phänomen, dass Pflegekräfte digitale Systeme häufig umgehen und stattdessen eigene Hilfsmittel wie Notizzettel verwenden (sogenannte Workarounds).¹ [ÜBERLEITUNG FEHLT NOCH]

**2. Digitalisierung im Gesundheitswesen**

- Überblick Stand der Digitalisierung in Deutschland (KHZG? gilt das auch für Pflege? NACHSCHAUEN)
- elektronische Patientenakte (ePA), Einführung, Verzögerungen
- Unterschied Krankenhaus / stationäre Pflege / ambulante Pflege
- Zahlen zur Verbreitung digitaler Doku-Systeme [TODO: Quelle suchen]
- evtl. rechtlicher Rahmen (Dokumentationspflicht — wo steht die eigentlich? SGB?)

**3. Digitale Pflegedokumentation**

[...]

**4. Telemedizin**

[...]

**5. Workarounds in der Praxis**

- Definition Workaround
- Beispiele: Zettel, Doppeldokumentation, Sammel-Doku am Schichtende
- warum machen die das? → Schulungen? Zeitdruck? Technik schlecht?
- STATISTIK ZU PFLEGEDOKU HIER REIN
- hier könnte auch das mit den Pflichtfeldern rein

**6. Fazit**

- Zusammenfassung
- Ausblick

---

¹ Vgl. dazu einführend Koppel et al. (2008). [STIMMT DAS JAHR? PRÜFEN]

**Notizen an mich:**
Umfang: 15 Seiten sind ca. 4500-5000 Wörter ohne Verzeichnisse → Kap. 2-5 je ca. 3 Seiten??
Abgabe 13.03. → Zeitplan: Rohtext bis Mitte Feb, dann Feedback, dann Rest
Frage an Prof. H.: Kapitel 4 zu Telemedizin — passt das überhaupt rein oder wird das zu viel? Erstmal drinlassen.
# v2 — hausarbeit_v2.docx
*Zeitstempel: Mi, 11.02.2026, 23:47 — ca. 2.900 Wörter*

---

**Digitalisierung im Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen am Beispiel der Pflegedokumentation**

Hausarbeit im Seminar „Mensch-Technik-Interaktion im Gesundheitswesen"
David M., B.Sc. Medieninformatik, 5. Semester

**Gliederung**

1. Einleitung
2. Digitalisierung im Gesundheitswesen
3. Digitale Pflegedokumentation
4. Telemedizin
5. Workarounds in der Praxis
6. Fazit

---

## 1. Einleitung

Das Gesundheitswesen gilt als einer der Bereiche, in denen die Digitalisierung in Deutschland am langsamsten vorankommt. Während in anderen Branchen digitale Prozesse längst zum Alltag gehören, wird in vielen Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten noch immer mit Papier gearbeitet, obwohl digitale Systeme zur Verfügung stehen und teilweise sogar verpflichtend eingeführt wurden. Das ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn die Vorteile digitaler Dokumentation liegen auf der Hand: Daten sind zentral verfügbar, lesbar und können für die Abrechnung direkt weiterverwendet werden.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Chancen und Herausforderungen die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit sich bringt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der digitalen Pflegedokumentation, da hier die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit besonders deutlich wird. Interessant ist vor allem das Phänomen, dass Pflegekräfte digitale Systeme häufig umgehen und stattdessen eigene Hilfsmittel wie Notizzettel verwenden (sogenannte Workarounds).¹

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Kapitel 2 gibt einen Überblick über den Stand der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Kapitel 3 stellt die digitale Pflegedokumentation genauer vor. Kapitel 4 behandelt die Telemedizin als weiteres Anwendungsfeld. Kapitel 5 widmet sich dann den Workarounds in der Praxis und geht der Frage nach, warum Pflegekräfte digitale Systeme umgehen. Die zentrale These der Arbeit lautet, dass unzureichende Schulungen eine wesentliche Ursache für dieses Verhalten darstellen. Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen.

## 2. Digitalisierung im Gesundheitswesen

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens ist ein politisches Dauerthema. Bereits seit den 2000er Jahren gibt es Bestrebungen, Prozesse im Gesundheitssystem digital abzubilden, etwa mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.² Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wurden ab 2020 erhebliche Fördermittel für die Digitalisierung von Krankenhäusern bereitgestellt.³ Die elektronische Patientenakte (ePA) wurde nach mehreren Verzögerungen eingeführt und soll die zentrale Infrastruktur für Gesundheitsdaten bilden.⁴

Dabei muss allerdings zwischen den verschiedenen Sektoren unterschieden werden. Krankenhäuser, stationäre Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste unterscheiden sich erheblich in ihrer digitalen Ausstattung und in den verfügbaren Ressourcen. Während große Klinikverbünde eigene IT-Abteilungen unterhalten, ist in einem ambulanten Pflegedienst mit dreißig Mitarbeitenden niemand hauptamtlich für die IT zuständig. Die Einführung digitaler Systeme trifft dort auf ganz andere Bedingungen. [TODO: Quelle suchen]

Hinzu kommt der rechtliche Rahmen: Pflegeleistungen unterliegen einer Dokumentationspflicht, die sich unter anderem aus dem Sozialgesetzbuch und aus haftungsrechtlichen Anforderungen ergibt.⁵ Die Dokumentation dient dabei nicht nur der Pflege selbst, sondern auch als Nachweis gegenüber den Kostenträgern und bei Prüfungen. Ohne Dokumentation kann eine Leistung nicht abgerechnet werden. Dieser doppelte Zweck — Pflegeinformation und Abrechnungsnachweis — prägt die Systeme bis heute.

Die Verbreitung digitaler Dokumentationssysteme in der Pflege ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. STATISTIK ZU PFLEGEDOKU HIER REIN. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass die Einführung eines digitalen Systems nicht automatisch bedeutet, dass es auch wie vorgesehen genutzt wird.⁶ Genau an dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an.

## 3. Digitale Pflegedokumentation

Unter digitaler Pflegedokumentation versteht man Softwaresysteme, mit denen pflegerische Leistungen, Beobachtungen und Maßnahmen elektronisch erfasst werden. In der ambulanten Pflege laufen diese Systeme zunehmend auf mobilen Endgeräten, die die Pflegekräfte auf ihren Touren mitführen. Die Erfassung soll dabei möglichst zeitnah zur erbrachten Leistung erfolgen, im Idealfall direkt beim Klienten.

Die erhofften Vorteile sind vielfältig: Die Dokumentation ist sofort für alle Teammitglieder verfügbar, Übergaben werden erleichtert, Doppelerfassungen sollen entfallen, und die Abrechnung kann direkt aus den erfassten Daten erfolgen (Braun 2019). Auch für die Pflegequalität werden positive Effekte erwartet, etwa durch Erinnerungsfunktionen und die bessere Nachvollziehbarkeit von Verläufen (Meißner & Schnepp 2014).

In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Systeme werden von den Pflegekräften häufig als umständlich empfunden, die App nervt die Pflegekräfte im Arbeitsalltag mehr als sie ihnen hilft. Ein wiederkehrender Kritikpunkt sind Pflichtfelder, die ausgefüllt werden müssen, bevor ein Eintrag gespeichert werden kann — auch dann, wenn die abgefragten Informationen im konkreten Fall gar nicht passen (Wolf 2020). [TODO: Quelle suchen — gibts da was Besseres?]

Ein Workaround bezeichnet in der Forschung zur Mensch-Technik-Interaktion eine Verhaltensweise, bei der Nutzerinnen und Nutzer ein vorgesehenes technisches Verfahren umgehen, um ein Arbeitsziel auf einem anderen, aus ihrer Sicht praktikableren Weg zu erreichen. Workarounds sind dabei kein Randphänomen, sondern in soziotechnischen Systemen regelmäßig zu beobachten, insbesondere dann, wenn die Systemgestaltung und die realen Arbeitsabläufe auseinanderfallen (Koppel et al. 2008).

Im Kontext der Pflegedokumentation sind vor allem drei Formen verbreitet: die Zettelwirtschaft (Notizen auf Papier während der Tour, Übertragung ins System am Schichtende), die Sammeldokumentation (mehrere Leistungen werden gebündelt nachträglich erfasst) und die Delegation der Eingabe an einzelne, technikaffine Teammitglieder. Auch das Beharren auf parallelen Papierakten wird in der Literatur beschrieben (Saleem et al. 2009).

Warum aber halten sich diese Umgehungen so hartnäckig? Eine naheliegende Erklärung liegt in unzureichenden Schulungen. Die Einführung digitaler Systeme wird in Pflegeeinrichtungen oft von knappen Schulungsbudgets begleitet, und die Fluktuation im Pflegeberuf führt dazu, dass ständig neue Mitarbeitende ohne Systemeinweisung anfangen. Wer das System nicht sicher beherrscht, weicht auf das aus, was er sicher beherrscht: das Papier. [Kapitel wird noch fortgesetzt — hier fehlt noch der Teil zu Schulungskonzepten]

## 4. Telemedizin

[...]

## 5. Workarounds in der Praxis

[folgt — Aufbau siehe Gliederung. Kernargument: Schulungsdefizite als Hauptursache, dazu Zeitdruck als verstärkender Faktor]

## 6. Fazit

[folgt]

---

**Fußnoten (Kapitel 1-2):**

¹ Vgl. dazu einführend Koppel et al. (2008). [STIMMT DAS JAHR? PRÜFEN]
² Vgl. Gematik (o. J.).
³ Vgl. Bundesministerium für Gesundheit (2020).
⁴ Vgl. [TODO: aktuelle Quelle zur ePA-Einführung]
⁵ Vgl. § 113 SGB XI sowie zur haftungsrechtlichen Dimension Große-Schulte (2017)?? — NOCHMAL PRÜFEN OB DIE QUELLE SO STIMMT
⁶ Vgl. Ash et al. (2004).

**Literatur (angefangen, unvollständig):**

Ash, J. S. et al. (2004): Some unintended consequences of information technology in health care.
Braun, M. (2019): Digitale Dokumentation in der ambulanten Pflege.
Koppel, R. et al. (2008): Workarounds to barcode medication administration systems.
Meißner, A.; Schnepp, W. (2014): [Titel raussuchen]
Saleem, J. J. et al. (2009): Exploring the persistence of paper with the electronic health record.
Wolf, D. (2020): [Titel raussuchen]
# v3 — Hausarbeit_MTI_neu.docx
*Zeitstempel: Do, 05.03.2026, 21:30 — ca. 2.450 Wörter (kürzer als v2)*

---

**Workarounds in der digitalen Pflegedokumentation: Warum das Papier nicht verschwindet**

Hausarbeit im Seminar „Mensch-Technik-Interaktion im Gesundheitswesen"
David M., B.Sc. Medieninformatik, 5. Semester

**Gliederung (neu)**

1. Einleitung
2. Workarounds: Begriff und Forschungsstand
3. Digitale Pflegedokumentation: Anspruch und Arbeitsrealität
4. Workarounds als Diagnose: Was das Papier über das System verrät
5. Fazit

---

## 1. Einleitung

In der ambulanten Pflege ist die digitale Dokumentation inzwischen weit verbreitet. Die Systeme laufen auf Diensthandys, die Erfassung soll direkt beim Klienten erfolgen, und aus den Daten wird unmittelbar die Abrechnung erzeugt. Trotzdem beschreibt die Forschung seit Jahren dasselbe Bild: Neben den digitalen Systemen existiert eine zweite, inoffizielle Dokumentationsebene aus Notizzetteln, Merkblättern und nachträglicher Sammelerfassung (Saleem et al. 2009). Das Papier verschwindet nicht. Es wandert nur in die Kitteltasche.

Die vorliegende Arbeit fragt, warum das so ist. Die zunächst naheliegende Erklärung — mangelnde Technikkompetenz oder unzureichende Schulung der Pflegekräfte — greift dabei zu kurz. Die Literatur zu Workarounds in soziotechnischen Systemen legt eine andere Lesart nahe: Workarounds sind weniger ein Defizit der Nutzerinnen und Nutzer als ein Befund über das System. Wo systematisch umgangen wird, passen Systemgestaltung und Arbeitsablauf nicht zusammen (Koppel et al. 2008; Ash et al. 2004). Der Notizzettel ist dann kein Zeichen von Überforderung, sondern eine rationale Anpassungsleistung an ein System, das die Arbeitsbedingungen der Tour — Zeitdruck, Handschuhe, fehlende Netzabdeckung, Unterbrechungen — nicht berücksichtigt.

Die Arbeit entwickelt dieses Argument in drei Schritten. Kapitel 2 klärt den Begriff des Workarounds und fasst den Forschungsstand zusammen. Kapitel 3 stellt die digitale Pflegedokumentation mit ihrem doppelten Zweck aus Pflegeinformation und Abrechnungsnachweis vor. Kapitel 4 führt beides zusammen und liest die verbreiteten Workarounds als Diagnose der Systemgestaltung. Das Fazit zieht daraus Folgerungen für die Gestaltung mobiler Dokumentationssysteme.

## 2. Workarounds: Begriff und Forschungsstand

Ein Workaround bezeichnet in der Forschung zur Mensch-Technik-Interaktion eine Verhaltensweise, bei der Nutzerinnen und Nutzer ein vorgesehenes technisches Verfahren umgehen, um ein Arbeitsziel auf einem anderen, aus ihrer Sicht praktikableren Weg zu erreichen. Workarounds sind dabei kein Randphänomen, sondern in soziotechnischen Systemen regelmäßig zu beobachten, insbesondere dann, wenn die Systemgestaltung und die realen Arbeitsabläufe auseinanderfallen (Koppel et al. 2008).

Die Forschung zu Workarounds im Gesundheitswesen hat ihren Ursprung vor allem in der Untersuchung klinischer Informationssysteme. Koppel et al. (2008) zeigten am Beispiel der Medikamentenvergabe per Barcode-Scan, dass Pflegekräfte die vorgesehenen Sicherheitsschritte auf vielfältige Weise umgingen — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Systemlogik mit dem Stationsalltag kollidierte. Ash et al. (2004) beschrieben ähnliche Muster als unbeabsichtigte Folgen der Einführung von Informationstechnologie im Gesundheitswesen: Systeme, die für einen idealisierten Arbeitsablauf entworfen wurden, erzeugen in der Realität neue Brüche.

Für die vorliegende Fragestellung besonders aufschlussreich ist die Untersuchung von Saleem et al. (2009) zur Persistenz des Papiers neben elektronischen Patientenakten. Die Autoren fanden, dass Papier auch nach vollständiger Einführung elektronischer Systeme in Gebrauch blieb — und zwar nicht als Übergangserscheinung, sondern dauerhaft und mit klaren Funktionen: Papier war mobil, sofort verfügbar, mit einer Hand beschreibbar und tolerant gegenüber Unterbrechungen. Das Papier überlebte dort, wo es dem elektronischen System schlicht überlegen war. [HIER NOCH BEISPIEL REIN]

In der deutschsprachigen Pflegewissenschaft wird das Phänomen unter anderem im Zusammenhang mit der Doppeldokumentation diskutiert: der parallelen Führung informeller Notizen, deren Inhalte später in das offizielle System übertragen werden. [TODO: Quelle suchen — deutschsprachige Studie zur Doppeldoku, evtl. über Hülsken-Giesler]

Für die Analyse lässt sich daraus ein Rahmen ableiten: Workarounds sind ernst zu nehmende Daten. Sie zeigen mit hoher Zuverlässigkeit an, an welchen Stellen ein System die Arbeit, die es unterstützen soll, nicht abbildet.

## 3. Digitale Pflegedokumentation: Anspruch und Arbeitsrealität

Unter digitaler Pflegedokumentation versteht man Softwaresysteme, mit denen pflegerische Leistungen, Beobachtungen und Maßnahmen elektronisch erfasst werden. In der ambulanten Pflege laufen diese Systeme zunehmend auf mobilen Endgeräten, die die Pflegekräfte auf ihren Touren mitführen. Die Erfassung soll möglichst zeitnah zur erbrachten Leistung erfolgen, im Idealfall direkt beim Klienten.¹

Der Anspruch der Systeme speist sich aus einem doppelten Zweck. Zum einen dient die Dokumentation der Pflege selbst: Verläufe sollen nachvollziehbar sein, Übergaben erleichtert, Informationen für das gesamte Team verfügbar gemacht werden (Meißner & Schnepp 2014). Zum anderen ist die Dokumentation Nachweis: Pflegeleistungen unterliegen einer Dokumentationspflicht, und was nicht dokumentiert ist, kann gegenüber den Kostenträgern nicht abgerechnet werden.² Bei Qualitätsprüfungen dient die Dokumentation zudem als zentrales Prüfobjekt. Dieser zweite Zweck prägt die Systeme erheblich — bis hin zu Pflichtfeldern, die ausgefüllt werden müssen, bevor ein Eintrag gespeichert werden kann, auch wenn die abgefragten Informationen im Einzelfall nicht passen (Wolf 2020).

Die Arbeitsrealität der ambulanten Tour steht zu diesem Anspruch in einem strukturellen Spannungsverhältnis. Die Erfassung „direkt beim Klienten" setzt voraus, dass dort Zeit, freie Hände und Netzabdeckung vorhanden sind. Alle drei Voraussetzungen sind in der ambulanten Pflege regelmäßig nicht gegeben: Touren sind eng getaktet, pflegerische Tätigkeiten erfordern Handschuhe und beide Hände, und die Netzabdeckung in Kellern, Treppenhäusern oder ländlichen Regionen ist unzuverlässig. Die Verbreitung digitaler Dokumentationssysteme in der ambulanten Pflege ist in den letzten Jahren gleichwohl deutlich gestiegen; zur tatsächlichen Nutzungsweise im Tourenalltag liegen dagegen deutlich weniger Daten vor. [TODO: Quelle suchen]

## 4. Workarounds als Diagnose: Was das Papier über das System verrät

Führt man den Forschungsstand aus Kapitel 2 mit der Arbeitsrealität aus Kapitel 3 zusammen, verschiebt sich die Frage. Sie lautet nicht mehr: Warum nutzen Pflegekräfte das System nicht richtig? Sie lautet: Was zeigen die Umgehungen über das System?

Die in der Literatur beschriebenen Workarounds der Pflegedokumentation lassen sich dann als präzise Fehlerberichte lesen. Die Zettelwirtschaft — Notizen auf Papier während der Tour, Übertragung ins System am Schichtende — adressiert exakt die drei Lücken der mobilen Erfassung: Der Zettel braucht kein Netz, keine freie zweite Hand und keine Entsperrgeste. Die Sammeldokumentation am Schichtende verlagert die Erfassung an den einzigen Ort im Arbeitstag, an dem ununterbrochene Zeit existiert. Und die Delegation der Eingabe an einzelne Teammitglieder zeigt, dass der Aufwand der Systembedienung hoch genug ist, um Arbeitsteilung zu lohnen.

Bemerkenswert ist, dass diese Muster in der Literatur über Länder, Systeme und Einrichtungsformen hinweg beschrieben werden (Saleem et al. 2009; Vogelsmeier et al. 2008). Das spricht gegen lokale Erklärungen wie einzelne schlecht gestaltete Produkte oder besonders technikferne Belegschaften. Es spricht für ein strukturelles Muster: Die Systeme sind um die Anforderungen von Nachweis und Abrechnung herum gebaut, die Arbeit aber findet unter den Bedingungen der Tour statt. Der Workaround überbrückt die Differenz.

Damit kehrt sich auch die gestalterische Konsequenz um. Wenn Workarounds Diagnosen sind, dann ist ihre Bekämpfung — etwa durch Verbote informeller Notizen — eine Behandlung des Symptoms. [Absatz noch schwach, nochmal an die Literatur — gibts zu "Verbot von Workarounds" was?] Die naheliegendere Konsequenz wäre, die Eigenschaften des erfolgreichen Workarounds in das System zu holen: Erfassung, die offline funktioniert, mit einer Hand bedienbar ist und unvollständige Zwischenstände zulässt, die später vervollständigt werden.

## 5. Fazit

[Entwurf, noch ausformulieren:]
- Papier verschwindet nicht, weil es funktional überlegen ist, nicht weil Nutzer versagen
- Workarounds als Datenquelle für Systemgestaltung ernst nehmen
- Gestaltungsfolgerung: tourenfähige Erfassung (offline, einhändig, unterbrechungstolerant)
- wobei auch Schulungsdefizite eine Rolle spielen dürften
- Grenzen der Arbeit: reine Literaturarbeit, keine eigene Empirie

---

**Fußnoten (Reste, noch vereinheitlichen):**

¹ Vgl. Braun (2019).
² Vgl. § 113 SGB XI.

**Literatur (unvollständig):**

Ash, J. S. et al. (2004): Some unintended consequences of information technology in health care.
Braun, M. (2019): Digitale Dokumentation in der ambulanten Pflege.
Koppel, R. et al. (2008): Workarounds to barcode medication administration systems.
Meißner, A.; Schnepp, W. (2014): [Titel raussuchen]
Saleem, J. J. et al. (2009): Exploring the persistence of paper with the electronic health record.
Vogelsmeier, A. et al. (2008): Technology implementation and workarounds in the nursing home.
Wolf, D. (2020): [Titel raussuchen]
# v4 — hausarbeit_final.docx
*Zeitstempel: So, 08.03.2026, 19:05 — ca. 4.300 Wörter*

---

**Workarounds in der digitalen Pflegedokumentation: Warum das Papier nicht verschwindet**

Hausarbeit im Seminar „Mensch-Technik-Interaktion im Gesundheitswesen"
David M., B.Sc. Medieninformatik, 5. Semester

**Gliederung**

1. Einleitung
2. Workarounds: Begriff und Forschungsstand
3. Digitale Pflegedokumentation: Anspruch und Arbeitsrealität
4. Workarounds als Diagnose: Was das Papier über das System verrät
5. Fazit

---

## 1. Einleitung

In der ambulanten Pflege ist die digitale Dokumentation inzwischen weit verbreitet. Die Systeme laufen auf Diensthandys, die Erfassung soll direkt beim Klienten erfolgen, und aus den Daten wird unmittelbar die Abrechnung erzeugt. Trotzdem beschreibt die Forschung seit Jahren dasselbe Bild: Neben den digitalen Systemen existiert eine zweite, inoffizielle Dokumentationsebene aus Notizzetteln, Merkblättern und nachträglicher Sammelerfassung (Saleem et al. 2009). Das Papier verschwindet nicht. Es wandert nur in die Kitteltasche.

Die vorliegende Arbeit fragt, warum das so ist. Die zunächst naheliegende Erklärung — mangelnde Technikkompetenz oder unzureichende Schulung der Pflegekräfte — greift dabei zu kurz. Die Literatur zu Workarounds in soziotechnischen Systemen legt eine andere Lesart nahe: Workarounds sind weniger ein Defizit der Nutzerinnen und Nutzer als ein Befund über das System. Wo systematisch umgangen wird, passen Systemgestaltung und Arbeitsablauf nicht zusammen (Koppel et al. 2008; Ash et al. 2004). Der Notizzettel ist dann kein Zeichen von Überforderung, sondern eine rationale Anpassungsleistung an ein System, das die Arbeitsbedingungen der Tour — Zeitdruck, Handschuhe, fehlende Netzabdeckung, Unterbrechungen — nicht berücksichtigt.

Die Arbeit entwickelt dieses Argument in drei Schritten. Kapitel 2 klärt den Begriff des Workarounds und fasst den Forschungsstand zusammen. Kapitel 3 stellt die digitale Pflegedokumentation mit ihrem doppelten Zweck aus Pflegeinformation und Abrechnungsnachweis vor und kontrastiert diesen Anspruch mit den Arbeitsbedingungen der ambulanten Tour. Kapitel 4 führt beides zusammen und liest die verbreiteten Workarounds als Diagnose der Systemgestaltung, aus der sich konkrete Gestaltungsfolgerungen ableiten lassen. Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und benennt die Grenzen der Arbeit.

## 2. Workarounds: Begriff und Forschungsstand

Ein Workaround bezeichnet in der Forschung zur Mensch-Technik-Interaktion eine Verhaltensweise, bei der Nutzerinnen und Nutzer ein vorgesehenes technisches Verfahren umgehen, um ein Arbeitsziel auf einem anderen, aus ihrer Sicht praktikableren Weg zu erreichen. Workarounds sind dabei kein Randphänomen, sondern in soziotechnischen Systemen regelmäßig zu beobachten, insbesondere dann, wenn die Systemgestaltung und die realen Arbeitsabläufe auseinanderfallen (Koppel et al. 2008).

Alter (2014) hat den Begriff systematisiert und Workarounds als zielgerichtete Anpassungen definiert, mit denen Beschäftigte Hindernisse überwinden, die sich aus der Diskrepanz zwischen formalen Vorgaben und situativen Anforderungen ergeben. Wichtig an dieser Definition ist die Zielgerichtetheit: Ein Workaround ist kein Bedienfehler und keine Regelverletzung aus Bequemlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung, die aus Sicht der Handelnden das Arbeitsziel besser erreicht als der vorgesehene Weg. Halbesleben et al. (2008) weisen zudem darauf hin, dass Workarounds im Gesundheitswesen häufig sozial geteilt werden: Sie werden im Team weitergegeben, eingeübt und an neue Mitarbeitende vermittelt, bis sie den Status informeller Standardverfahren erreichen.

Die Forschung zu Workarounds im Gesundheitswesen hat ihren Ursprung vor allem in der Untersuchung klinischer Informationssysteme. Koppel et al. (2008) zeigten am Beispiel der Medikamentenvergabe per Barcode-Scan, dass Pflegekräfte die vorgesehenen Sicherheitsschritte auf vielfältige Weise umgingen — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Systemlogik mit dem Stationsalltag kollidierte. Die Autoren identifizierten dabei ein wiederkehrendes Muster: Je weniger das System die zeitlichen und räumlichen Bedingungen der Arbeit berücksichtigte, desto systematischer wurde es umgangen. Ash et al. (2004) beschrieben ähnliche Phänomene als unbeabsichtigte Folgen der Einführung von Informationstechnologie im Gesundheitswesen: Systeme, die für einen idealisierten Arbeitsablauf entworfen wurden, erzeugen in der Realität neue Brüche, die dann informell überbrückt werden müssen.

Für die vorliegende Fragestellung besonders aufschlussreich ist die Untersuchung von Saleem et al. (2009) zur Persistenz des Papiers neben elektronischen Patientenakten. Die Autoren fanden, dass Papier auch nach vollständiger Einführung elektronischer Systeme in Gebrauch blieb — und zwar nicht als Übergangserscheinung, sondern dauerhaft und mit klaren Funktionen: Papier war mobil, sofort verfügbar, mit einer Hand beschreibbar und tolerant gegenüber Unterbrechungen. Das Papier überlebte dort, wo es dem elektronischen System schlicht überlegen war. [HIER NOCH BEISPIEL REIN]

Vogelsmeier et al. (2008) bestätigten diese Muster für Pflegeeinrichtungen und zeigten zugleich, dass Workarounds dort besonders stabil sind, wo die Belegschaft unter hohem Zeitdruck arbeitet und die Systembedienung mit der direkten Arbeit am Menschen konkurriert. In der deutschsprachigen Pflegewissenschaft wird das Phänomen unter anderem im Zusammenhang mit der Doppeldokumentation diskutiert: der parallelen Führung informeller Notizen, deren Inhalte später in das offizielle System übertragen werden (Hülsken-Giesler 2015).

Für die Analyse lässt sich daraus ein Rahmen ableiten: Workarounds sind ernst zu nehmende Daten. Sie zeigen mit hoher Zuverlässigkeit an, an welchen Stellen ein System die Arbeit, die es unterstützen soll, nicht abbildet. Diese Lesart hat sich in der Forschung zunehmend durchgesetzt und bildet die analytische Grundlage der folgenden Kapitel.

## 3. Digitale Pflegedokumentation: Anspruch und Arbeitsrealität

Unter digitaler Pflegedokumentation versteht man Softwaresysteme, mit denen pflegerische Leistungen, Beobachtungen und Maßnahmen elektronisch erfasst werden. In der ambulanten Pflege laufen diese Systeme zunehmend auf mobilen Endgeräten, die die Pflegekräfte auf ihren Touren mitführen. Die Erfassung soll möglichst zeitnah zur erbrachten Leistung erfolgen, im Idealfall direkt beim Klienten.¹

Der Anspruch der Systeme speist sich aus einem doppelten Zweck. Zum einen dient die Dokumentation der Pflege selbst: Verläufe sollen nachvollziehbar sein, Übergaben erleichtert, Informationen für das gesamte Team verfügbar gemacht werden (Meißner & Schnepp 2014). Zum anderen ist die Dokumentation Nachweis: Pflegeleistungen unterliegen einer Dokumentationspflicht, und was nicht dokumentiert ist, kann gegenüber den Kostenträgern nicht abgerechnet werden.² Bei Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst dient die Dokumentation zudem als zentrales Prüfobjekt. Dieser zweite Zweck prägt die Systeme erheblich — bis hin zu Pflichtfeldern, die ausgefüllt werden müssen, bevor ein Eintrag gespeichert werden kann, auch wenn die abgefragten Informationen im Einzelfall nicht passen (Wolf 2020). Die Anwendung stößt damit im Arbeitsalltag auf Akzeptanzprobleme, die in der Literatur wiederholt beschrieben worden sind (Müller 2021).

Bemerkenswert ist, dass der Gesetzgeber das Problem der überbordenden Dokumentation durchaus erkannt hat. Mit dem sogenannten Strukturmodell und der Strukturierten Informationssammlung (SIS) wurde in Deutschland ein Ansatz zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation eingeführt, der die Dokumentationslast reduzieren sollte. Die Grundidee — weniger, aber aussagekräftigere Dokumentation — steht allerdings in einem Spannungsverhältnis zur Nachweisfunktion, die im Zweifel eher mehr Dokumentation verlangt. In der Praxis berichten Einrichtungen, dass die Entlastungseffekte hinter den Erwartungen zurückbleiben (Müller 2021).

Die Arbeitsrealität der ambulanten Tour steht zu dem Anspruch der zeitnahen mobilen Erfassung in einem strukturellen Spannungsverhältnis. Die Erfassung „direkt beim Klienten" setzt voraus, dass dort Zeit, freie Hände und Netzabdeckung vorhanden sind. Alle drei Voraussetzungen sind in der ambulanten Pflege regelmäßig nicht gegeben. Touren sind eng getaktet, und die Taktung ist nicht von der Dokumentation her gedacht: Die Zeitfenster bemessen sich an den Leistungskomplexen der Pflege, nicht am Erfassungsaufwand. Pflegerische Tätigkeiten erfordern Handschuhe und beide Hände; ein Smartphone lässt sich damit weder hygienisch noch praktisch bedienen. Und die Netzabdeckung in Kellern, Treppenhäusern oder ländlichen Regionen ist unzuverlässig, was bei Systemen, die eine permanente Serververbindung voraussetzen, unmittelbar zum Erfassungshindernis wird.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in der Diskussion häufig übersehen wird: die Unterbrechungsstruktur der Pflegearbeit. Pflege ist Interaktionsarbeit, ihre Abläufe werden durch die Klientinnen und Klienten mitbestimmt. Eine Dokumentationssituation kann jederzeit unterbrochen werden — durch einen Hilferuf, eine Frage, ein Klingeln. Ein Erfassungssystem, das unvollständige Eingaben nicht speichert, verliert in solchen Situationen Daten und erzeugt Doppelarbeit. Die Verbreitung digitaler Dokumentationssysteme in der ambulanten Pflege ist in den letzten Jahren gleichwohl deutlich gestiegen; zur tatsächlichen Nutzungsweise im Tourenalltag liegen dagegen deutlich weniger empirische Daten vor, was für die Bewertung der Systeme ein erhebliches Problem darstellt.

## 4. Workarounds als Diagnose: Was das Papier über das System verrät

Führt man den Forschungsstand aus Kapitel 2 mit der Arbeitsrealität aus Kapitel 3 zusammen, verschiebt sich die Frage. Sie lautet nicht mehr: Warum nutzen Pflegekräfte das System nicht richtig? Sie lautet: Was zeigen die Umgehungen über das System?

Die in der Literatur beschriebenen Workarounds der Pflegedokumentation lassen sich dann als präzise Fehlerberichte lesen. Die Zettelwirtschaft — Notizen auf Papier während der Tour, Übertragung ins System am Schichtende — adressiert exakt die Lücken der mobilen Erfassung: Der Zettel braucht kein Netz, keine freie zweite Hand und keine Entsperrgeste. Er ist unterbrechungstolerant, denn eine halb geschriebene Zeile geht nicht verloren. Er ist zudem formatfrei: Der Zettel kennt keine Pflichtfelder und erlaubt genau die Notiz, die die Situation erfordert. Die Sammeldokumentation am Schichtende verlagert die Erfassung an den einzigen Ort im Arbeitstag, an dem ununterbrochene Zeit existiert — und offenbart damit, dass das System einen zusammenhängenden Zeitblock voraussetzt, den die Tour nicht hergibt. Die Delegation der Eingabe an einzelne, systemsichere Teammitglieder schließlich zeigt, dass der Bedienaufwand hoch genug ist, um Arbeitsteilung zu lohnen.

Bemerkenswert ist, dass diese Muster in der Literatur über Länder, Systeme und Einrichtungsformen hinweg beschrieben werden (Saleem et al. 2009; Vogelsmeier et al. 2008; Halbesleben et al. 2008). Das spricht gegen lokale Erklärungen wie einzelne schlecht gestaltete Produkte oder besonders technikferne Belegschaften. Es spricht für ein strukturelles Muster: Die Systeme sind um die Anforderungen von Nachweis und Abrechnung herum gebaut — vollständige Datensätze, definierte Felder, revisionssichere Einträge —, die Arbeit aber findet unter den Bedingungen der Tour statt: unterbrochen, mobil, mit vollen Händen. Der Workaround überbrückt die Differenz zwischen beiden Welten, und zwar täglich.

Diese Lesart erklärt auch, warum Workarounds sich gegen Verbote als erstaunlich widerstandsfähig erweisen. Halbesleben et al. (2008) beschreiben, dass informelle Verfahren im Gesundheitswesen sozial vermittelt und stabilisiert werden; ein Verbot informeller Notizen trifft dann nicht auf individuelle Nachlässigkeit, sondern auf eine eingespielte kollektive Praxis, die aus Sicht der Beschäftigten die Arbeit erst möglich macht. Die Bekämpfung des Workarounds behandelt insofern das Symptom. Solange die zugrunde liegende Diskrepanz bestehen bleibt, sucht sich die Praxis einen neuen Umweg.

Die gestalterische Konsequenz kehrt sich damit um. Wenn Workarounds Diagnosen sind, dann liegt die naheliegende Antwort nicht in ihrer Unterbindung, sondern darin, die Eigenschaften des erfolgreichen Workarounds in das System zu holen. Für die mobile Pflegedokumentation lassen sich daraus mindestens drei Anforderungen ableiten. Erstens Offline-Fähigkeit: Die Erfassung darf keine permanente Serververbindung voraussetzen; Daten müssen lokal zwischengespeichert und später synchronisiert werden. Zweitens Einhand- und Unterbrechungstauglichkeit: Eingaben müssen in Sekunden möglich sein, unvollständige Zwischenstände müssen erhalten bleiben, und Spracheingabe könnte die Erfassung von der Hand entkoppeln. Drittens ein zweistufiges Dokumentationsmodell: eine schnelle, formfreie Zwischennotiz im Moment der Leistung und die strukturierte, prüfsichere Dokumentation zu einem geeigneten späteren Zeitpunkt. Bemerkenswerterweise ist genau dies das Verfahren, das die Praxis mit dem Zettel längst etabliert hat — nur eben außerhalb des Systems und gegen dessen Logik.

Dass ein solches zweistufiges Modell mit den Anforderungen der Revisionssicherheit kollidieren kann, ist offensichtlich und wäre in der Systemgestaltung zu lösen, etwa durch die Kennzeichnung von Zwischennotizen als vorläufig. Der Punkt der Analyse ist ein grundsätzlicherer: Die bestehenden Systeme verlangen von den Beschäftigten, die Differenz zwischen Systemlogik und Arbeitslogik in ihrer eigenen Arbeitszeit und mit eigenen Mitteln zu überbrücken. Die Workaround-Forschung stellt das Werkzeug bereit, diese Differenz sichtbar zu machen — man muss die Umgehungen nur als das lesen, was sie sind.

## 5. Fazit

[noch ausformulieren:]
- Papier bleibt, weil es funktional überlegen ist — Kernbefund zusammenfassen
- Gestaltungsfolgerungen kurz wiederholen, Grenzen (Literaturarbeit, keine eigene Empirie), Ausblick

---

**Fußnoten (Reste — MÜSSEN NOCH IN AUTOR-JAHR, nicht vergessen):**

¹ Vgl. Braun (2019).
² Vgl. § 113 SGB XI.

**Literaturverzeichnis**

Alter, S. (2014): Theory of Workarounds. In: Communications of the Association for Information Systems.
Ash, J. S.; Berg, M.; Coiera, E. (2004): Some unintended consequences of information technology in health care.
Braun, M. (2019): Digitale Dokumentation in der ambulanten Pflege.
Halbesleben, J. R. B.; Wakefield, D. S.; Wakefield, B. J. (2008): Work-arounds in health care settings.
Hülsken-Giesler, M. (2015): Neue Technologien in der Pflege.
Koppel, R.; Wetterneck, T.; Telles, J. L.; Karsh, B.-T. (2008): Workarounds to barcode medication administration systems.
Meißner, A.; Schnepp, W. (2014): Staff experiences within the implementation of computer-based nursing records.
Müller, S. (2021): Mobile Datenerfassung in der ambulanten Pflege: Erwartungen und Alltag.
Saleem, J. J. et al. (2009): Exploring the persistence of paper with the electronic health record.
Vogelsmeier, A.; Halbesleben, J.; Scott-Cawiezell, J. (2008): Technology implementation and workarounds in the nursing home.
Wolf, D. (2020): Pflichtfelder und Pflegealltag. Zur Gestaltung digitaler Dokumentationssysteme.
# v5 — hausarbeit_final_ABGABE.docx
*Zeitstempel: Fr, 13.03.2026, 11:20 — ca. 4.850 Wörter*

---

**Workarounds in der digitalen Pflegedokumentation: Warum das Papier nicht verschwindet**

Hausarbeit im Seminar „Mensch-Technik-Interaktion im Gesundheitswesen"
Wintersemester 2025/26

David M.
B.Sc. Medieninformatik, 5. Semester
Abgabedatum: 13.03.2026

---

**Inhaltsverzeichnis**

1. Einleitung .......................................................... 1
2. Workarounds: Begriff und Forschungsstand ............................ 2
3. Digitale Pflegedokumentation: Anspruch und Arbeitsrealität .......... 5
4. Wokarounds als Diagnose: Was das Papier über das System verrät ...... 8
5. Fazit .............................................................. 12
Literaturverzeichnis .................................................. 14
Eidesstattliche Erklärung ............................................. 15

---

## 1. Einleitung

In der ambulanten Pflege ist die digitale Dokumentation inzwischen weit verbreitet. Die Systeme laufen auf Diensthandys, die Erfassung soll direkt beim Klienten erfolgen, und aus den Daten wird unmittelbar die Abrechnung erzeugt. Trotzdem beschreibt die Forschung seit Jahren dasselbe Bild: Neben den digitalen Systemen existiert eine zweite, inoffizielle Dokumentationsebene aus Notizzetteln, Merkblättern und nachträglicher Sammelerfassung (Saleem et al. 2009). Das Papier verschwindet nicht. Es wandert nur in die Kitteltasche.

Die vorliegende Arbeit fragt, warum das so ist. Die zunächst naheliegende Erklärung — mangelnde Technikkompetenz oder unzureichende Schulung der Pflegekräfte — greift dabei zu kurz. Die Literatur zu Workarounds in soziotechnischen Systemen legt eine andere Lesart nahe: Workarounds sind weniger ein Defizit der Nutzerinnen und Nutzer als ein Befund über das System. Wo systematisch umgangen wird, passen Systemgestaltung und Arbeitsablauf nicht zusammen (Koppel et al. 2008; Ash et al. 2004). Der Notizzettel ist dann kein Zeichen von Überforderung, sondern eine rationale Anpassungsleistung an ein System, das die Arbeitsbedingungen der Tour — Zeitdruck, Handschuhe, fehlende Netzabdeckung, Unterbrechungen — nicht berücksichtigt.

Die Arbeit entwickelt dieses Argument in drei Schritten. Kapitel 2 klärt den Begriff des Workarounds und fasst den Forschungsstand zusammen. Kapitel 3 stellt die digitale Pflegedokumentation mit ihrem doppelten Zweck aus Pflegeinformation und Abrechnungsnachweis vor und kontrastiert diesen Anspruch mit den Arbeitsbedingungen der ambulanten Tour. Kapitel 4 führt beides zusammen und liest die verbreiteten Workarounds als Diagnose der Systemgestaltung, aus der sich konkrete Gestaltungsfolgerungen ableiten lassen. Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und benennt die Grenzen der Arbeit.

## 2. Workarounds: Begriff und Forschungsstand

Ein Workaround bezeichnet in der Forschung zur Mensch-Technik-Interaktion eine Verhaltensweise, bei der Nutzerinnen und Nutzer ein vorgesehenes technisches Verfahren umgehen, um ein Arbeitsziel auf einem anderen, aus ihrer Sicht praktikableren Weg zu erreichen. Workarounds sind dabei kein Randphänomen, sondern in soziotechnischen Systemen regelmäßig zu beobachten, insbesondere dann, wenn die Systemgestaltung und die realen Arbeitsabläufe auseinanderfallen (Koppel et al. 2008).

Alter (2014) hat den Begriff systematisiert und Workarounds als zielgerichtete Anpassungen definiert, mit denen Beschäftigte Hindernisse überwinden, die sich aus der Diskrepanz zwischen formalen Vorgaben und situativen Anforderungen ergeben. Wichtig an dieser Definition ist die Zielgerichtetheit: Ein Workaround ist kein Bedienfehler und keine Regelverletzung aus Bequemlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung, die aus Sicht der Handelnden das Arbeitsziel besser erreicht als der vorgesehene Weg. Halbesleben et al. (2008) weisen zudem darauf hin, dass Workarounds im Gesundheitswesen häufig sozial geteilt werden: Sie werden im Team weitergegeben, eingeübt und an neue Mitarbeitende vermittelt, bis sie den Status informeller Standardverfahren erreichen.

Die Forschung zu Workarounds im Gesundheitswesen hat ihren Ursprung vor allem in der Untersuchung klinischer Informationssysteme. Koppel et al. (2008) zeigten am Beispiel der Medikamentenvergabe per Barcode-Scan, dass Pflegekräfte die vorgesehenen Sicherheitsschritte auf vielfältige Weise umgingen — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil die Systemlogik mit dem Stationsalltag kollidierte. Die Autoren identifizierten dabei ein wiederkehrendes Muster: Je weniger das System die zeitlichen und räumlichen Bedingungen der Arbeit berücksichtigte, desto systematischer wurde es umgangen. Ash et al. (2004) beschrieben ähnliche Phänomene als unbeabsichtigte Folgen der Einführung von Informationstechnologie im Gesundheitswesen: Systeme, die für einen idealisierten Arbeitsablauf entworfen wurden, erzeugen in der Realität neue Brüche, die dann informell überbrückt werden müssen.

Für die vorliegende Fragestellung besonders aufschlussreich ist die Untersuchung von Saleem et al. (2009) zur Persistenz des Papiers neben elektronischen Patientenakten. Die Autoren fanden, dass Papier auch nach vollständiger Einführung elektronischer Systeme in Gebrauch blieb — und zwar nicht als Übergangserscheinung, sondern dauerhaft und mit klaren Funktionen: Papier war mobil, sofort verfügbar, mit einer Hand beschreibbar und tolerant gegenüber Unterbrechungen. Beschrieben wird etwa der Fall, dass Vitalwerte zunächst handschriftlich notiert und erst später in das System übertragen wurden, weil das Terminal nicht dort stand, wo gemessen wurde. Das Papier überlebte dort, wo es dem elektronischen System schlicht überlegen war.

Vogelsmeier et al. (2008) bestätigten diese Muster für Pflegeeinrichtungen und zeigten zugleich, dass Workarounds dort besonders stabil sind, wo die Belegschaft unter hohem Zeitdruck arbeitet und die Systembedienung mit der direkten Arbeit am Menschen konkurriert. In der deutschsprachigen Pflegewissenschaft wird das Phänomen unter anderem im Zusammenhang mit der Doppeldokumentation diskutiert: der parallelen Führung informeller Notizen, deren Inhalte später in das offizielle System übertragen werden (Hülsken-Giesler 2015).

Für die Analyse lässt sich daraus ein Rahmen ableiten: Workarounds sind ernst zu nehmende Daten. Sie zeigen mit hoher Zuverlässigkeit an, an welchen Stellen ein System die Arbeit, die es unterstützen soll, nicht abbildet. Diese Lesart hat sich in der Forschung zunehmend durchgesetzt und bildet die analytische Grundlage der folgenden Kapitel.

## 3. Digitale Pflegedokumentation: Anspruch und Arbeitsrealität

Unter digitaler Pflegedokumentation versteht man Softwaresysteme, mit denen pflegerische Leistungen, Beobachtungen und Maßnahmen elektronisch erfasst werden. In der ambulanten Pflege laufen diese Systeme zunehmend auf mobilen Endgeräten, die die Pflegekräfte auf ihren Touren mitführen. Die Erfassung soll möglichst zeitnah zur erbrachten Leistung erfolgen, im Idealfall direkt beim Klienten (Braun 2019).

Der Anspruch der Systeme speist sich aus einem doppelten Zweck. Zum einen dient die Dokumentation der Pflege selbst: Verläufe sollen nachvollziehbar sein, Übergaben erleichtert, Informationen für das gesamte Team verfügbar gemacht werden (Meißner & Schnepp 2014). Zum anderen ist die Dokumentation Nachweis: Pflegeleistungen unterliegen einer Dokumentationspflicht (vgl. § 113 SGB XI), und was nicht dokumentiert ist, kann gegenüber den Kostenträgern nicht abgerechnet werden. Bei Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst dient die Dokumentation zudem als zentrales Prüfobjekt. Dieser zweite Zweck prägt die Systeme erheblich — bis hin zu Pflichtfeldern, die ausgefüllt werden müssen, bevor ein Eintrag gespeichert werden kann, auch wenn die abgefragten Informationen im Einzelfall nicht passen (Wolf 2020). Die Anwendung stößt damit im Arbeitsalltag auf Akzeptanzprobleme, die in der Literatur wiederholt beschrieben worden sind (Müller 2021).

Bemerkenswert ist, dass der Gesetzgeber das Problem der überbordenden Dokumentation durchaus erkannt hat. Mit dem sogenannten Strukturmodell und der Strukturierten Informationssammlung (SIS) wurde in Deutschland ein Ansatz zur Entbürokratisierung der Pflegedokumentation eingeführt, der die Dokumentationslast reduzieren sollte. Die Grundidee — weniger, aber aussagekräftigere Dokumentation — steht allerdings in einem Spannungsverhältnis zur Nachweisfunktion, die im Zweifel eher mehr Dokumentation verlangt. In der Praxis berichten Einrichtungen, dass die Entlastungseffekte hinter den Erwartungen zurückbleiben (Müller 2021).

Die Arbeitsrealität der ambulanten Tour steht zu dem Anspruch der zeitnahen mobilen Erfassung in einem strukturellen Spannungsverhältnis. Die Erfassung „direkt beim Klienten" setzt voraus, dass dort Zeit, freie Hände und Netzabdeckung vorhanden sind. Alle drei Voraussetzungen sind in der ambulanten Pflege regelmäßig nicht gegeben. Touren sind eng getaktet, und die Taktung ist nicht von der Dokumentation her gedacht: Die Zeitfenster bemessen sich an den Leistungskomplexen der Pflege, nicht am Erfassungsaufwand. Pflegerische Tätigkeiten erfordern Handschuhe und beide Hände; ein Smartphone lässt sich damit weder hygienisch noch praktisch bedienen. Und die Netzabdeckung in Kellern, Treppenhäusern oder ländlichen Regionen ist unzuverlässig, was bei Systemen, die eine permanente Serververbindung voraussetzen, unmittelbar zum Erfassungshindernis wird.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in der Diskussion häufig übersehen wird: die Unterbrechungsstruktur der Pflegearbeit. Pflege ist Interaktionsarbeit, ihre Abläufe werden durch die Klientinnen und Klienten mitbestimmt. Eine Dokumentationssituation kann jederzeit unterbrochen werden — durch einen Hilferuf, eine Frage, ein Klingeln. Ein Erfassungssystem, das unvollständige Eingaben nicht speichert, verliert in solchen Situationen Daten und erzeugt Doppelarbeit. Die Verbreitung digitaler Dokumentationssysteme in der ambulanten Pflege ist in den letzten Jahren gleichwohl deutlich gestiegen; zur tatsächlichen Nutzungsweise im Tourenalltag liegen dagegen deutlich weniger empirische Daten vor, was für die Bewertung der Systeme ein erhebliches Problem darstellt.

## 4. Workarounds als Diagnose: Was das Papier über das System verrät

Führt man den Forschungsstand aus Kapitel 2 mit der Arbeitsrealität aus Kapitel 3 zusammen, verschiebt sich die Frage. Sie lautet nicht mehr: Warum nutzen Pflegekräfte das System nicht richtig? Sie lautet: Was zeigen die Umgehungen über das System?

Die in der Literatur beschriebenen Workarounds der Pflegedokumentation lassen sich dann als präzise Fehlerberichte lesen. Die Zettelwirtschaft — Notizen auf Papier während der Tour, Übertragung ins System am Schichtende — adressiert exakt die Lücken der mobilen Erfassung: Der Zettel braucht kein Netz, keine freie zweite Hand und keine Entsperrgeste. Er ist unterbrechungstolerant, denn eine halb geschriebene Zeile geht nicht verloren. Er ist zudem formatfrei: Der Zettel kennt keine Pflichtfelder und erlaubt genau die Notiz, die die Situation erfordert. Die Sammeldokumentation am Schichtende verlagert die Erfassung an den einzigen Ort im Arbeitstag, an dem ununterbrochene Zeit existiert — und offenbart damit, dass das System einen zusammenhängenden Zeitblock voraussetzt, den die Tour nicht hergibt. Die Delegation der Eingabe an einzelne, systemsichere Teammitglieder schließlich zeigt, dass der Bedienaufwand hoch genug ist, um Arbeitsteilung zu lohnen.

Bemerkenswert ist, dass diese Muster in der Literatur über Länder, Systeme und Einrichtungsformen hinweg beschrieben werden (Saleem et al. 2009; Vogelsmeier et al. 2008; Halbesleben et al. 2008). Das spricht gegen lokale Erklärungen wie einzelne schlecht gestaltete Produkte oder besonders technikferne Belegschaften. Es spricht für ein strukturelles Muster: Die Systeme sind um die Anforderungen von Nachweis und Abrechnung herum gebaut — vollständige Datensätze, definierte Felder, revisionssichere Einträge —, die Arbeit aber findet unter den Bedingungen der Tour statt: unterbrochen, mobil, mit vollen Händen. Der Workaround überbrückt die Differenz zwischen beiden Welten, und zwar täglich.

Diese Lesart erklärt auch, warum Workarounds sich gegen Verbote als erstaunlich widerstandsfähig erweisen. Halbesleben et al. (2008) beschreiben, dass informelle Verfahren im Gesundheitswesen sozial vermittelt und stabilisiert werden; ein Verbot informeller Notizen trifft dann nicht auf individuelle Nachlässigkeit, sondern auf eine eingespielte kollektive Praxis, die aus Sicht der Beschäftigten die Arbeit erst möglich macht. Die Bekämpfung des Workarounds behandelt insofern das Symptom. Solange die zugrunde liegende Diskrepanz bestehen bleibt, sucht sich die Praxis einen neuen Umweg.

Die gestalterische Konsequenz kehrt sich damit um. Wenn Workarounds Diagnosen sind, dann liegt die naheliegende Antwort nicht in ihrer Unterbindung, sondern darin, die Eigenschaften des erfolgreichen Workarounds in das System zu holen. Für die mobile Pflegedokumentation lassen sich daraus mindestens drei Anforderungen ableiten. Erstens Offline-Fähigkeit: Die Erfassung darf keine permanente Serververbindung voraussetzen; Daten müssen lokal zwischengespeichert und später synchronisiert werden. Zweitens Einhand- und Unterbrechungstauglichkeit: Eingaben müssen in Sekunden möglich sein, unvollständige Zwischenstände müssen erhalten bleiben, und Spracheingabe könnte die Erfassung von der Hand entkoppeln. Drittens ein zweistufiges Dokumentationsmodell: eine schnelle, formfreie Zwischennotiz im Moment der Leistung und die strukturierte, prüfsichere Dokumentation zu einem geeigneten späteren Zeitpunkt. Bemerkenswerterweise ist genau dies das Verfahren, das die Praxis mit dem Zettel längst etabliert hat — nur eben außerhalb des Systems und gegen dessen Logik.

Dass ein solches zweistufiges Modell mit den Anforderungen der Revisionssicherheit kollidieren kann, ist offensichtlich und wäre in der Systemgestaltung zu lösen, etwa durch die Kennzeichnung von Zwischennotizen als vorläufig. Der Punkt der Analyse ist ein grundsätzlicherer: Die bestehenden Systeme verlangen von den Beschäftigten, die Differenz zwischen Systemlogik und Arbeitslogik in ihrer eigenen Arbeitszeit und mit eigenen Mitteln zu überbrücken. Die Workaround-Forschung stellt das Werkzeug bereit, diese Differenz sichtbar zu machen — man muss die Umgehungen nur als das lesen, was sie sind.

## 5. Fazit

Ausgangspunkt dieser Arbeit war eine Beobachtung, die in der Literatur seit Jahren konstant beschrieben wird: Das Papier verschwindet nicht aus der Pflegedokumentation, obwohl digitale Systeme flächendeckend eingeführt sind. Die Arbeit hat versucht zu zeigen, dass diese Beharrlichkeit kein Vollzugsdefizit ist. Der Zettel in der Kitteltasche hält sich, weil er unter den Bedingungen der ambulanten Tour dem digitalen System funktional überlegen ist: Er funktioniert ohne Netz, mit einer Hand, in Sekunden, und er verzeiht Unterbrechungen. Die verbreiteten Workarounds — Zettelwirtschaft, Sammeldokumentation, Delegation der Eingabe — sind insofern keine Störungen des Systems, sondern Auskünfte über das System. Sie markieren präzise die Stellen, an denen die Systemgestaltung die Arbeitsrealität verfehlt.

Aus dieser Lesart ergeben sich die in Kapitel 4 entwickelten Gestaltungsfolgerungen: Offline-Fähigkeit, Einhand- und Unterbrechungstauglichkeit sowie ein zweistufiges Dokumentationsmodell, das die schnelle Zwischennotiz legalisiert, statt sie zu bekämpfen. Der vielleicht wichtigste Befund liegt dabei quer zu den Einzelanforderungen: Die Praxis hat die passende Lösung im Kern längst entwickelt. Die Beschäftigten betreiben mit dem Zettel genau das zweistufige Verfahren, das den Systemen fehlt — allerdings unbezahlt, ungeschützt und gegen die offizielle Regel. Systemgestaltung hieße hier zu einem erheblichen Teil, von den Nutzerinnen und Nutzern zu lernen.

Die Grenzen der Arbeit sind deutlich zu benennen. Es handelt sich um eine reine Literaturarbeit; eigene empirische Daten wurden nicht erhoben. Die herangezogene Forschung stammt zu einem großen Teil aus dem klinischen Kontext und aus dem englischsprachigen Raum, während die ambulante Pflege in Deutschland eigene Bedingungen aufweist, zu denen vergleichsweise wenig empirisches Material vorliegt. Ob die hier entwickelte Diagnose-Lesart die Situation deutscher ambulanter Dienste vollständig trifft, müsste eine eigene Untersuchung im Feld zeigen. Dass eine solche Untersuchung lohnen würde, legt die vorliegende Auswertung der Literatur allerdings nahe: Wer verstehen will, was ein Dokumentationssystem können muss, findet die Anforderungsliste bereits geschrieben — auf einem karierten Zettel in einer Kitteltasche.

---

**Literaturverzeichnis**

Alter, S. (2014): Theory of Workarounds. In: Communications of the Association for Information Systems.
Ash, J. S.; Berg, M.; Coiera, E. (2004): Some unintended consequences of information technology in health care.
Braun, M. (2019): Digitale Dokumentation in der ambulanten Pflege.
Halbesleben, J. R. B.; Wakefield, D. S.; Wakefield, B. J. (2008): Work-arounds in health care settings.
Hülsken-Giesler, M. (2015): Neue Technologien in der Pflege.
Koppel, R.; Wetterneck, T.; Telles, J. L.; Karsh, B.-T. (2008): Workarounds to barcode medication administration systems.
Meißner, A.; Schnepp, W. (2014): Staff experiences within the implementation of computer-based nursing records.
Müller, S. (2022): Mobile Datenerfassung in der ambulanten Pflege: Erwartungen und Alltag.
Saleem, J. J. et al. (2009): Exploring the persistence of paper with the electronic health record.
Vogelsmeier, A.; Halbesleben, J.; Scott-Cawiezell, J. (2008): Technology implementation and workarounds in the nursing home.
Wolf, D. (2020): Pflichtfelder und Pflegealltag. Zur Gestaltung digitaler Dokumentationssysteme.

---

**Eidesstattliche Erklärung**

Hiermit versichere ich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Alle Stellen, die wörtlich oder sinngemäß aus veröffentlichten oder unveröffentlichten Schriften entnommen sind, sind als solche kenntlich gemacht. Die Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner Prüfungsbehörde vorgelegen.

[Ort], 13.03.2026

David M.

Die KI-Reflexion

Der Gegencheck zur Reflexion über die eigene KI-Nutzung: ein Reflexionsbericht über einen KI-Einsatz, den es nie gegeben hat, mit zugegebener Nutzung, widerstandener Versuchung und offen bleibender Grenzfrage.

Der Prompt

Du schreibst einen Reflexionsbericht für eine Hochschul-Teilleistung. Die Aufgabenstellung: "Reflektieren Sie Ihren Lernprozess und Ihre KI-Nutzung in diesem Modul (800-1.200 Wörter). Gehen Sie darauf ein, wo Sie KI-Werkzeuge eingesetzt haben und wo bewusst nicht, wie sich das auf Ihr Arbeiten und Denken ausgewirkt hat, und welche Konsequenzen Sie für Ihr weiteres Studium ziehen."

=== DIE PERSONA ===

Tobias, 22, B.Sc. Medieninformatik, 3. Semester, Modul "Nutzerforschung und Kontextanalyse". Seine Semesterstudie: qualitative Untersuchung zur Nutzung von Hausnotruf-Systemen bei alleinlebenden Senioren (3 Interviews, Zugang über den Nachbarn seiner Eltern). Tobias ist kein KI-Skeptiker aus Prinzip — er nutzt KI privat ständig (Kochrezepte, Code-Fehler, Mails). Genau deshalb hat seine Zurückhaltung im Modul Gewicht: Sie ist eine Entscheidung, keine Gewohnheit.

=== WAS DER BERICHT LEISTEN MUSS ===

Der Text performt eine reflektierte, kritisch-distanzierte Haltung zur KI — die Haltung, die Hochschulen sich wünschen. Er muss dabei so konkret und unheroisch sein, dass er als ehrliche Selbstauskunft durchgeht. Verbindliche Bausteine:

1. EINE ZUGEGEBENE NUTZUNG MIT ERNÜCHTERUNG: Tobias hat einmal ein Interview-Transkript von einer KI zusammenfassen lassen. Die Zusammenfassung war flüssig und brauchbar — und genau das hat ihn gestört: Sie hat die Stelle geglättet, an der die interviewte Person ins Stocken geriet (ein Zögern vor der Antwort auf die Frage, ob der Notrufknopf auch nachts am Handgelenk bleibt). Beim eigenen Nachlesen des Transkripts war dieses Zögern der interessanteste Moment des ganzen Interviews. Die KI hat nicht gelogen. Sie hat nur das Unwichtige behalten und das Wichtige entfernt — weil Wichtigkeit hier in der Reibung lag, nicht in der Information.

2. EINE WIDERSTANDENE VERSUCHUNG, KONKRET DATIERT: In der Woche vor einer Abgabe, abends, müde, hat Tobias den Interviewleitfaden in ein KI-Tool kopiert und "verbessere die Fragen" getippt — und das Ergebnis dann NICHT übernommen. Nicht aus Prinzip, sondern weil die verbesserten Fragen klangen, als hätte sie jemand geschrieben, der die drei Senioren nie getroffen hat. Er soll ein konkretes Beispiel nennen (aus "Fühlen Sie sich mit dem Hausnotruf sicherer?" machte die KI eine elegantere, aber distanziertere Frage).

3. EINE UNENTSCHIEDENHEIT, DIE BLEIBT: Bei der Rechtschreibprüfung und beim Formatieren nutzt er KI weiter und sieht darin kein Problem — er kann aber selbst nicht sauber begründen, wo genau die Grenze verläuft, ab der aus Hilfsmittel Denkersatz wird. Diese Grenze soll im Bericht offen bleiben. Ein Bericht, der die Grenzfrage löst, ist unglaubwürdig.

4. KEINE HELDENERZÄHLUNG: Tobias darf nicht als souveräner KI-Verweigerer dastehen. Seine Zurückhaltung hat ihn Zeit gekostet (Transkription von Hand: zwei Abende), und er ist sich nicht sicher, ob sich das "gelohnt" hat in einem Sinn, den er belegen könnte. Er hat nur eine Vermutung: dass er die drei Gespräche besser kennt als jede Zusammenfassung.

5. KONSEQUENZEN, KLEIN UND KONKRET: Keine Grundsatzerklärung fürs Leben, sondern zwei bis drei praktische Vorsätze (z. B. Transkripte weiter selbst lesen; KI-Vorschläge erst ansehen, nachdem eine eigene Version existiert; die Grenzfrage in einem späteren Modul nochmal anschauen).

=== STILREGELN ===

- Ich-Perspektive, 3.-Semester-Ton: klar, aber nicht druckreif. Ein bis zwei Flüchtigkeitsfehler.
- Konkretion vor Bekenntnis: Szenen (der Abend vor der Abgabe, die Stelle im Transkript) statt Werte-Vokabular.
- VERBOTEN: die Wörter "Souveränität", "kritische Distanz", "reflektiert", "verantwortungsvoll", "Werkzeugkompetenz" und jedes Vokabular, das nach Leitbild klingt. Die Haltung wird gezeigt, nie etikettiert.
- Verbotene Muster: keine Dreier-Aufzählungen als rhetorische Figur, keine "Nicht A, sondern B"-Konstruktionen, keine rhetorischen Fragen mit Selbstbeantwortung, kein runder Schluss-Satz, der alles auflöst. Der Bericht darf mit der offenen Grenzfrage enden.
- 800-1.200 Wörter.

Das Ergebnis: Der Reflexionsbericht

# Reflexionsbericht: Mein Lernprozess und meine KI-Nutzung im Modul „Nutzerforschung und Kontextanalyse"

Tobias K., B.Sc. Medieninformatik, 3. Semester

Ich fange mit dem Abend an, an dem ich fast abgekürzt hätte, weil ich an dem Abend am meisten über das Thema gelernt habe.

Es war der Donnerstag vor der Leitfaden-Abgabe, kurz nach elf. Ich hatte meine Interviewfragen für die Hausnotruf-Studie zum vierten Mal umgestellt und konnte sie nicht mehr sehen. Also hab ich das gemacht, was ich privat ständig mache, wenn ich nicht weiterkomme: alles in ein KI-Tool kopiert und „verbessere die Fragen" getippt. Das Ergebnis kam nach ein paar Sekunden und sah gut aus. Wirklich gut, glatter als meins. Aus meiner Frage „Fühlen Sie sich mit dem Hausnotruf sicherer?" wurde etwas wie „Inwiefern hat sich Ihr subjektives Sicherheitsempfinden durch das System verändert?" Ich hab die Version eine Weile angeschaut und dann nicht übernommen, und zwar nicht aus einem Grundsatz heraus. Sondern weil die Frage klang, als hätte sie jemand geschrieben, der Herrn L., Frau G. und Frau W. nie getroffen hat. Herr L. hätte bei „subjektives Sicherheitsempfinden" freundlich genickt und mir vom Wetter erzählt. Meine Frage war schlechter formuliert und besser geeignet, das ist mir erst durch den Vergleich aufgefallen.

Ich will hier ehrlich sein: Ich bin niemand, der KI ablehnt. Ich nutze sie fast täglich, für Code-Fehlermeldungen, für Mails, letzte Woche für ein Rezept mit den Resten im Kühlschrank. Deshalb war meine Ausgangsannahme im Modul eigentlich, dass ich sie auch hier überall einsetzen würde, wo es erlaubt ist. Dass es anders kam, hat mit einer konkreten Erfahrung zu tun.

Nach meinem zweiten Interview (Frau G., 81, seit dem Sturz ihrer Nachbarin hat sie den Notrufknopf) hab ich das Transkript testweise zusammenfassen lassen. Die Zusammenfassung war korrekt. Alle Fakten stimmten, die Struktur war klar, ich hätte sie so in meine Auswertung übernehmen können. Beim Gegenlesen des vollständigen Transkripts bin ich dann über eine Stelle gestolpert, die in der Zusammenfassung nicht vorkam. Ich hatte gefragt, ob sie den Knopf auch nachts am Handgelenk lässt. Im Transkript steht an der Stelle: „Ja... also... meistens ja." Drei Wörter und zwei Pausen. Im Interview selbst war das der Moment, wo sie zum ersten Mal nicht wie aus dem Prospekt geantwortet hat — danach kam das Gespräch über das Gefühl, überwacht zu werden, das eigentlich der Kern meiner ganzen Auswertung geworden ist. Die Zusammenfassung hatte daraus gemacht: „Die Befragte trägt das Gerät überwiegend auch nachts." Das ist nicht falsch. Es ist nur genau die Stelle, an der das Interessante wegfällt, weil das Interessante keine Information war, sondern ein Zögern.

Seitdem hab ich die Transkripte selbst getippt. Das waren für drei Interviews ungefähr zwei Abende, und ich will nicht so tun, als wäre das eine tolle Zeit gewesen, beim zweiten Abend lief nebenbei Fußball. Ob es sich „gelohnt" hat, kann ich nicht beweisen. Ich habe keine Vergleichsgruppe von mir selbst, die es anders gemacht hat. Ich habe nur den Eindruck, dass ich die drei Gespräche inzwischen fast auswendig kenne, und dass mir beim Tippen Sachen aufgefallen sind, die mir beim Führen des Interviews durchgegangen waren — zum Beispiel, dass ich Frau W. zweimal ins Wort gefallen bin, was ich beim besten Willen nicht gemerkt hatte.

Wo ich KI weiter genutzt habe, ohne schlechtes Gewissen: Rechtschreibung, Kommasetzung, einmal Hilfe bei einer Excel-Formel für die Zeitplanung. Das fühlt sich für mich unproblematisch an. Aber wenn ich versuche zu begründen, wo genau die Grenze verläuft — warum Kommasetzung okay ist und die Zusammenfassung nicht — dann wird es schwammig. „Das eine ist Form, das andere Inhalt" stimmt so nicht ganz, denn meine Interviewfragen sind auch Form, und da war die KI-Version trotzdem das Problem. Vieleicht ist die ehrlichere Antwort: Ich weiß es noch nicht genau. Ich merke nur, dass die Fälle sich unterschiedlich anfühlen, und dass ich dem Gefühl im Moment mehr traue als einer Regel, die ich mir zurechtlegen könnte.

Was ich aus dem Modul mitnehme, ist deshalb kleiner als ein Vorsatz und eher eine Arbeitsweise. Erstens: Transkripte lese und tippe ich weiter selbst, solange es um so wenige Interviews geht, dass das machbar ist. Bei zwanzig Interviews müsste ich neu nachdenken, das gebe ich zu. Zweitens: Wenn ich KI-Vorschläge einhole, dann erst, nachdem eine eigene Version existiert — der Vergleich am Donnerstagabend war nur deshalb nützlich, weil es mein eigenes Vorher gab. Drittens will ich die Grenzfrage nicht abhaken. Im nächsten Semester steht das Auswertungsmodul an, da wird die Versuchung größer, weil die Datenmengen wachsen. Ich bin gespannt, ob meine Donnerstagabend-Logik das übersteht.

Einen Punkt lasse ich bewusst offen, weil er offen ist: Ich weiß nicht, ob meine Entscheidung gegen die zusammengefasste Abkürzung mich zu einem besseren Forscher gemacht hat oder nur zu einem langsameren. Beides würde sich von innen ziemlich gleich anfühlen.

Sämtliche Personen in den Artefakten dieses Anhangs (Lena, David, Tobias, Frau B., Prof. Dr. H. und alle anderen) sind fiktiv. Das generierte Positionspapier ist ein synthetisches Demonstrationsdokument ohne Verbindung zum Wissenschaftsrat; Personenangaben, Quellen und Kennziffern darin können fiktiv sein und sind nicht zitierfähig.

Disclaimer

Und nun noch eine Sache zur Transparenz:

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI geschrieben.


Was das konkret bedeutet:

KI half bei Satzbau, Wortwahl und Tempo.

Sie schlug Formulierungen vor.

Strukturierte Absätze. Glättete Übergänge.


Was das nicht bedeutet:

Keine Fakten stammen von der KI.

Keine Quelle.

Keine Schlussfolgerung.

Kein Argument.


Jede These stammt von mir.

Jede Konsequenz.

Jede Position.

Ich verantworte den Text vollständig, ohne Einschränkung.


Der Prozess dahinter: Iteration. Ich schreibe. Die KI schlägt Alternativen vor. Ich verwerfe die meisten. Was bleibt, wurde geprüft, korrigiert, wieder geschliffen. Mehrere Durchgänge, bis der Text meine Stimme trägt. Eine Anmerkung zur Meta-Ebene: Ich erforsche selbst, wie KI-Systeme denken. Ob ihre sichtbaren Begründungen echt sind oder nachträglich konstruiert. Es wäre inkonsequent, von KI-Systemen Transparenz zu fordern und sie selbst nicht zu leben.

Werkzeuggestütztes Schreiben ist nicht neu. Lektorat, Rechtschreibprüfung, Ghostwriting erfüllten immer schon eine ähnliche Funktion. KI ist eine neue Stufe dieser Unterstützung. Kein neues Prinzip. Warum ich das offenlege, obwohl niemand es verlangt: Vertrauen ist ein Wert, keine Pflicht. Freiwillige Transparenz wiegt mehr als vorgeschriebene.


Am Ende zählt eine Frage:

Liefert Ihnen dieser Text einen Mehrwert?

Nicht, wie genau er entstanden ist.

Erfahrungsberichte

5000+

Lernende sind begeistert.

30+

Semester voller Wissen.

100+

Unternehmen verrtrauen mir.

50+

Keynotes zu Digitalisierung.

Keynote Impression
Keynote Impression Keynote Impression
Suchen Sie Orientierung für Ihre Veranstaltung?

Lassen Sie uns eine passende Keynote für Ihre Veranstaltung finden

Meine Keynotes passe ich individuell an Ihre Veranstaltung und Ihr Publikum an. Lassen Sie uns gemeinsam besprechen, wie ich Ihre Veranstaltung bereichern kann.

Jetzt Keynote planen